Ein Rock. Hallelujah!

Die Hitze ist unerträglich. Uns läuft der Schweiß in Strömen. Im Miro-Heim weht kein Lüftchen. Mein Rock ist klitschnass.

Ja, ich trage einen Rock. Beim letzten Besuch musste ich das versprechen, nachdem mich die siebenjährige Rebecca gescholten hat, dass ich immer die gleiche abgewetzte kurze Hose trage. Es ist Ostersonntag und Rebecca und die anderen staunen nicht schlecht, als ich für meine Verhältnisse aufgebrezelt vor ihnen stehe. Aus jeder Ecke tönt ein lautes "Woooow", Nadine u look beautiful". Ich lächle tapfer - und schwitze weiter.

Zusammen mit Josephine fahren Mama, Johanna, Miriam und ich zu einer Kirche, wo Josephine heute einen Teil der Osterpredigt hält. Mit rund 40 Menschen singen, beten, tanzen und klatschen wir in einer großen Wellblechhalle, die mit grauen Plastikstühlen bestuhlt ist. Normalerweise werden diese Gottesdienste unter freiem Himmel mit hunderten Menschen abgehalten. Doch die Sicherheitslage ist seit Monaten bedenklich. Immer wieder kommt es zu Anschlägen radikalislamischer Gruppen. Erst vor wenigen Tagen explodierte ein Sprengsatz in einer Polizeistation in Nairobi. Vier Menschen wurden getötet. Seit 2011 wird das Land von Terroranschlägen gebeutelt. Christliche Gottesdienste in Mombasa sind immer wieder Ziel von terroristischen Angriffen. Doch das Osterfest lässt sich hier niemand verderben. Ausgelassen tanzen und klatschen die Gläubigen. Meine Mutter kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. "So einen Gottesdienst habe ich noch nie erlebt", sagt sie lachend. Josephine kann es sich nicht verkneifen und beendet ihre Predigt damit, hervorzuheben, was für ein besonderes Osterfest dies ist. "Nach vier Jahren ist heute der erste Tag, an dem ich Nadine in einem Rock sehe. Halleluja. Man muss auch für die kleinen Dinge dankbar sein", ruft sie ins Mikrophon und die gesamte Kirchengemeinde stimmt lauthals in ihr Lachen ein. 

Am nächsten Tag begehen wir im Heim gemeinsam mit den Kindern das Osterfest mit Tanz und Gesang. Auch Freunde und Bekannte sind gekommen, um mit Josephine und den Kindern Gottesdienst zu feiern. Jeder hat für die Kinder etwas mitgebracht. Auch unsere aus Deutschland mitgebrachten Geschenke und Briefe der Paten dürfen die Jungs und Mädchen nun endlich auspacken. Die Freude ist riesig. 

Der Koch und die Hausmütter bereiten ein Festmahl vor. Es gibt mit Zimt und Ingwer gewürzten Reis, Hühnchen und meine Leibspeise "Chapati" - ein leckeres Fladenbrot. Meine Schwester staunt nicht schlecht, denn selbst die Babys klammern sich schon an ihre Becher und trinken in einem Zug ihr Getränk aus. Viele der Kinder haben gehungert, bevor sie ins Heim kamen. Die Angst nicht genügend Nahrung zu bekommen, ist ganz tief in ihnen verankert. 

Das Miro-Kinderheim ist seit 2011 offiziell vom Jugendamt registriert. Alle drei Jahre muss diese Registrierung erneuert werden. Ein Komitee des Jugendamtes inspizierte vor kurzem das Heim - und war zufrieden. "Die Kinder werden gut versorgt, bekommen eine gute Ernaehrung und auch die Schulbildung ist lobenswert", sagt James Chebon vom Jugendamt. Allerdings seien auch einige Dinge zu verbessern. Zum Beispiel brauchen die mittlerweile 30 Kinder einen großen langen Tisch, an dem sie beim Essen gerade sitzen können und auch in der Lage sind, angemessen Hausaufgaben zu machen. Heimleiterin Josephine hat bereits einen Kostenvoranschlag für die lange Liste an anzuschaffenden Möbeln machen lassen. Rund 1.500 Euro Extrakosten werden neben den monatlichen 2.000 Euro für die medizinischen Versorgung, Ernaehrung, Miete, Personalkosten und Schulgeld zusätzlich auf uns zukommen. Denn auch Josephine braucht ein Büro, in dem sie arbeiten kann. Einen Laptop haben wir aus Deutschland mitgebracht. Ein guter Freund hat ihn gespendet. Das größte Problem jedoch bleibt: Eigentlich müssten Jungs und Mädchen laut Gesetz in getrennten Häusern schlafen. Doch noch immer fehlt uns das Geld, um ein Grundstück  zu kaufen. “Noch sind die Kinder sehr jung und können unter einem Dach schlafen, aber irgendwann ist auch diese Zeit vorbei”, betont der Jugendamtmitarbeiter und hebt noch einmal hervor, wie wichtig ein Grundstueckskauf für die Selbstversorgung und Nachhaltigkeit seien. Ich bin zuversichtlich. Irgendwann werden die Kinder des Miro-Heim auf einer kleinen Farm leben, auf der sie lernen, Gemüse anzubauen, Tiere zu versorgen und somit selbständig zu werden. Wir jedenfalls geben die Hoffnung nicht auf. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Steffi (Sonntag, 27 April 2014 09:32)

    Hallo Nadine,steht dir gut,der Rock ;-) tolle Bilder und schöner Beitrag,wie immer.Wäre es nicht möglich,dass wir Paten und die Spender mal über 1 oder 2 Monate verteilt,einfach mal die doppelte Summe zahlen,um die 1.500 Euro zusammen zu bekommen?Wenn pro Monat gut 2.000 Euro zusammen kommen,dürfte es doch nicht allzu schwer sein,ausnahmsweise nochmal 1.500 Euro für den besonderen Zweck zusammen zu bekommen,könnte ja wie gesagt ggf. z.B. auf 2 Monate z.B. gesplittet werden.Also ich wäre jedenfalls dabei,sehr gern sogar.Liebe Grüße aus Hamburg zu Euch nach Kenia :-)

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MiRO is the short term for Mighty Redeemer Orphanage. The Mighty Redeemer Orphanage is a small children's home in a suburb of Mombasa, Kenya.

 Recently 38 children are living there. The youngest child was born in November 2014, the oldest two children were born in 2000.

The children had to suffer a lot in there young lives. Some of them have lost there parents because of AIDS. Some of them have been thrown onto dumpsites or left alone on the streets of Mombasa.

 

They have been misused and mistreaten. They have starved and suffered. In 2009 Josephine Mutisya decided to help these children in giving them what they need the most: the love and care of a family.

We are supporting this project since 2010.