Von Terror, Fußballkühen und Killerkatzen

Ich stehe im strömenden Regen. Zum ersten Mal. Noch nie hat es während meiner elf Besuche im MiRO-Heim in Kenia geregnet. Jetzt erlebe ich seit zehn Minuten hautnah die ostafrikanische Regenzeit mit, weil niemand mein Klopfen hört. Tja, selber Schuld, wenn ich einfach unangemeldet auftauche und versuche gegen den ohrenbetäubenden Regen anzuklopfen.

 Endlich hört mich jemand. „Aija…who is that mzungu (Hey… wer ist dieser weiße Mensch)?“, fragt eine hohe Stimme von drinnen. Meine käseweißen Füße kann man anscheinend unterm Tor hindurch erkennen. Charles, der Askari (Wächter), öffnet mir und plötzlich wird das tropische Gewitter von Kindergeschrei übertönt: „Aaiiii….Naaaadiiiinnn, Naaaaadiiinnn!!!!“ krakeelt es aus dutzenden Kehlchen. Die Rasselbande schießt auf mich zu und wirft mich fast um. Herrlich. J

Ich staune nicht schlecht, wer in meiner fast einjährigen Abwesenheit schon laufen gelernt hat. Besonders freue ich mich über den winzigen Jonah, der im vergangenen Jahr noch im Streckkorsett steckte, weil seine Knochen aufgrund der Mangelernährung wie Gummi waren. Doch mit guter Ernährung hat er augenscheinlich die Rachitis überwunden und tippelt nun jauchzend auf mich zu.

Im Haus ist der neue Putzmann James damit beschäftigt, den Fußboden im Aufenthaltsraum zu wischen. Koch Alex schnippelt Grünzeug. Heimleiterin Josephine ist zusammen mit zwei Hausmüttern dabei, die Babys zu füttern.

Es donnert. Markerschütternd. Ein paar Kinder schreien. Ich wundere mich, denn auch die Hausangestellten gehen panisch in Deckung. Die Erklärung bekomme ich ein wenig später geliefert. „Sie haben gedacht, es wäre Al Shabab“, erklärt mir Josephine das seltsame Verhalten. Seitdem die islamistische Terrormiliz vor zwei Wochen ein Massaker mit 148 Toten an der Universität von Garissa angerichtet hat, ist die Angst allgegenwärtig. Das hat Konsequenzen. Als vor wenigen Tagen an der Universtät von Nairobi nachts eine Stromleitung explodierte, brach auf dem Campus Panik aus, weil die Studenten einen Terroranschlag wähnten. Auch hier an der Küste ist Al Shabab ein Synonym für eine leicht in Panik umschlagende Furcht. Viele vermeiden es, aus den Vororten in die Innenstadt Mombasas zu fahren. Immer wieder wurden in der letzter Zeit Anschläge auf Matatus – die öffentlichen Minibusse – verübt.   

„Ich bete auch für Al Shabab, damit sie erkennen, dass Leute umzubringen falsch ist“, wird Bob, der älteste Junge im Heim am Sonntag während des Gottesdienstes beten. Der 14-Jährige geht auf eine Boardingschule im Norden Kenias und ist nur während der Ferien im Heim. Momentan sind es 35 Kinder. Die Regierung hat viele neue Auflagen gemacht (dazu ein andermal mehr). Endziel ist es, dass Kinderheime nicht mehr gebraucht werden, weil alle ausgesetzten Kinder bei Verwandten oder Pflegefamilien untergebracht sind. Ein hehres Ziel.

Jedes Mal mehr wird mir bewusst, wie klein doch unser Haus ist. Wenn alle Kinder Zuhause sind und sie nur innerhalb der Mauerumrandung auf dem ca. 50 Quadratmeter großen Areal spielen können, ist das schon bisschen wie in einem Hühnerstall. Warum die Kinder nicht ohne Aufsicht nach draußen dürfen, wird mir bewusst, als wir nachmittags zum Fußballspielen auf ein nahe gelegenes Feld gehen. Mir fällt ein weißes Auto auf, das plötzlich schnell davonbraust. Die Kinder kommen aufgeregt zu mir gerannt: „Sie wollten Titi mitnehmen, sie wollten Titi mitnehmen“, rufen alle aufgeregt durcheinander. Titi ist der zweijährige Junge namens Gift, den Wächter Charles jetzt auf den Arm nimmt. „In Kenia werden Kinder auch schon einmal gestohlen, es gibt schon wirklich schlechte Menschen“, sagt er.

Sonst keine weiteren Zwischenfälle beim Fußballspiel. Mal abgesehen von der Kuhherde, die während des Spiels immer wieder aufs Fußballfeld gelaufen kommt. Und abgesehen von der kleinen Schrecksekunde, als Joshua plötzlich am Boden liegt und sich den linken Arm hält. Na toll, jetzt hat er den anderen Arm auch noch gebrochen, denke ich noch, als er schon längst wieder aufsteht und dem Ball hinterherjagt. Bis auf Joshuas Gipsarm und ein hustendes Baby scheinen alle fit zu sein. Es gibt sogar tierischen Nachwuchs. Shushi, the Cat, hat drei Junge geworfen, die mit stoischer Gelassenheit die Kuschelattacken über sich ergehen lassen. Die Kätzchen sind aber nicht nur zum Kuscheln gut, sie fangen auch schon Mäuse, Echsen und einmal sollen sie tatsächlich eine Schlange angeschleppt haben. Die reinsten Killerkätzchen ;)

                                                                                                                                                                                     


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MiRO is the short term for Mighty Redeemer Orphanage. The Mighty Redeemer Orphanage is a small children's home in a suburb of Mombasa, Kenya.

 Recently 38 children are living there. The youngest child was born in November 2014, the oldest two children were born in 2000.

The children had to suffer a lot in there young lives. Some of them have lost there parents because of AIDS. Some of them have been thrown onto dumpsites or left alone on the streets of Mombasa.

 

They have been misused and mistreaten. They have starved and suffered. In 2009 Josephine Mutisya decided to help these children in giving them what they need the most: the love and care of a family.

We are supporting this project since 2010.