Danke für diesen guten Morgen...

Und ich sag noch, zwei Männer und eine dicke weiße Frau sind zu viel für ein  Motorrad. Jetzt stehe ich knöcheltief im Schlamm und grabe mit den Händen nach meinen Flipflops. Hakuna Matata. Seit einer halben Stunde sind Koch Felix und ich mit dem BodaBoda –einem Motorradtaxi -unterwegs nach Moshomoroni. Wir wollen Paulo und Jemmo besuchen, die nun wieder bei ihren Eltern leben. Die Straßen dorthin sind…ich sag mal so…abenteuerlich. Da es am Vortag durchgängig geregnet hat, sind die buckeligen Pfade völlig verschlammt. Weder Tuktuk noch Auto kommen hier durch. Und auch unser wagemutiger BodaBoda-Fahrer kapituliert mehrmals und akzeptiert schließlich widerwillig, dass ich an unzugänglichen Stellen lieber gleich absteigen möchte.

Nach gut einer dreiviertel Stunde haben wir es geschafft.  Wir stehen vor einer kleinen Hütte. Ist aber keiner drin. Eine Nachbarin erklärt uns, dass die Familie umgezogen ist. Ihr Sohn soll uns hinbringen. Wir bahnen uns unseren Weg durch die hügelige Siedlung  aus einfachen Wellblechhütten. Nach 15 Minuten Fußmarsch vorbei an einem See aus Müll erreichen wir schließlich das Haus. Ich hoffe, dass die beiden da sind. Natürlich weiß keiner, dass wir kommen. Rund vier Jahre haben Paulo und Jemmo im MiRO-Heim gelebt. Dann sind ihre Eltern aufgetaucht, konnten dem Jugendgericht glaubhaft versichern, dass sie sich nun um ihre Kinder kümmern können und bekamen das Sorgerecht zurück. Unser Verein Help-for-MiRO unterstützt die Familie weiterhin, indem wir das Schulgeld bezahlen und so das wichtigste garantieren: Bildung und damit die Chance auf eine besser Zukunft für die ganze Familie.



Der junge Nachbar führt uns zu einem Steinhaus, in dem mehrere Familien leben. Im hinteren Bereich ruft er den Vater der Jungen. Dieser  kommt heraus und traut seinen Augen nicht. Mit mir hätte er wohl nicht gerechnet. Paulo auch nicht. Der Achtjährige tappst mit offenem Mund auf mich zu – und kann lange Zeit nichts sagen. Erst als ich ihn bitte, seinen Bruder zu holen, der irgendwo mit anderen Kindern spielt, grinst er sein typisches Grinsen und sprintet los.

Derweil quetsche ich die Eltern der Jungs aus. Sein Vater erzählt mir, dass er manchmal auf einem Markt arbeitet. Seine Frau kümmert sich um die Kinder. „Haha…Nadine“, lacht jemand plötzlich hinter mir. Paulo  hat Jemmo gefunden. Der Sechsjährige kommt strahlend auf mich zu und umarmt mich. Ich überreiche den beiden ein paar Geschenke. Bücher, Schreibhefte und Bleistifte sowie einen Brief von ihren Freunden aus Deutschland. Das Memoryspiel probieren wir gleich aus. Wir setzen uns draußen in den Schatten unter einen Verschlag aus Brettern und Plastikplanen. „Hier halten wir immer Gottesdienst ab“, erklärt eine ältere Frau, die dort an einer Nähmaschine sitzt und ein grünes Hemd bearbeitet. Immer mehr Menschen und Kinder strömen herbei und spielen mit. „Das sind meine Freunde“, erklärt mir Paulo und stellt jeden einzelnen vor. Jemmo lacht ständig und erklärt seiner Mutter – die kein Englisch spricht – wie die Tiere auf den Memorykarten auf  Englisch ausgesprochen werden.


Ich bin beruhigt. Anscheinend geht es ihnen gut. Zwar leben sie jetzt in bescheidenen Verhältnissen, aber die Kinder sehen wohlgenährt aus und wirken glücklich. Als sie ins Heim kamen, konnten die  extrem jungen Eltern die beiden nicht versorgen. Jemmo war so mangelernährt, dass seine Knochen wie aus Gummi waren und er sehr lange brauchte, bis er krabbeln, stehen, laufen konnte. Aber jetzt scheint alles gut.

Zurück im Heim: Regen, Regen, Regen. Das bedeutet nicht nur Bodaboda-Abenteuer, sondern auch Hüttenkoller und Wollmützen bei 27 Grad. „It is very cold“, findet Rebecca und setzt der kleinen Vena eine Strickmütze auf. Es schüttet wie aus Eimern. Der kleine Vorgarten gleicht einem schmutzigen See. Die Kinder können nicht raus und stellen das Haus auf den Kopf. Gut, dass Josephine einen Fernseher besorgt hat, der nun während der Ferien und Regenzeit die Rasselbande zumindest für die Länge von „Ariel, die Meerjungfrau“ zum Runterfahren bringt. Da haben auch die drei Killerkätzchen mal ein bisschen Ruhe vor den enthusiastischen Kuschelattacken. Mit den großen Kindern übe ich während der verregneten Ferientage ein bisschen Englisch und Deutsch. Mit großer Begeisterung lernen die Kinder an zwei Strophen von „Danke, für diesen guten Morgen“ auswendig.  „Let’s sing this in church“, schlägt Anna, die älteste, vor und erntet zustimmenden Beifall von den anderen. Am Sonntag machen sich die Kinder also schick – die Jungs ziehen Hemden an, die Mädchen präsentieren voller Stolz ihre weißen Kleider – und mit dem Matatu machen wir uns auf in eine der vielen regionalen Kirchen. Während der holprigen Fahrt tönen an jeder Ecke fröhliche Gesänge aus den Hallen, die als Kirchen genutzt werden.

Der Pfarrer und die Gemeinde empfangen uns überschwänglich. Mehrmals werde ich gefragt, wo meine Mutter und meine „Schwestern“ sind, die im vergangenen Jahr beim Ostergottesdienst dabei waren und anscheinend einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Während des zweistündigen Gottesdienstes, bei dem ausgelassen gesungen und getanzt wird, sind dann auch wir irgendwann an der Reihe. Die Jungs nuscheln schüchtern vor sich hin, aber die Mädels schmettern unsere drei vorbereiteten Lieder lautstark durch die Halle.  Die Kirchengemeinde jubelt und der Pastor verlangt noch eine Zugabe. Na klar, natürlich von „Danke für diesen guten Morgen.“

Help for MiRO e.V.

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MiRO is the short term for Mighty Redeemer Orphanage. The Mighty Redeemer Orphanage is a small children's home in a suburb of Mombasa, Kenya.

 Recently 38 children are living there. The youngest child was born in November 2014, the oldest two children were born in 2000.

The children had to suffer a lot in there young lives. Some of them have lost there parents because of AIDS. Some of them have been thrown onto dumpsites or left alone on the streets of Mombasa.

 

They have been misused and mistreaten. They have starved and suffered. In 2009 Josephine Mutisya decided to help these children in giving them what they need the most: the love and care of a family.

We are supporting this project since 2010.