Neues aus dem Kinderheim

Auf dieser Seite werden wir Sie regelmäßig über die Neuigkeiten im Kinderheim in Kenia informieren. Wir stehen mit der Heimleiterin Josephine Mutisya und vielen Freiwilligen über Emails in regelmäßigem Kontakt. Hier werden wir auch über jeden neuen Besuch berichten.

Sa

19

Dez

2020

Frohe Weihnachten und ein besseres neues Jahr

Liebe Freunde des MiRo-Heims,

Die Kleinsten des MiRO haben im März Masken geschenkt bekommen, die sie aber nur kurz fürs Foto aufgezogen haben ;)
Die Kleinsten des MiRO haben im März Masken geschenkt bekommen, die sie aber nur kurz fürs Foto aufgezogen haben ;)

 Ein hartes Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Die Corona-Pandemie hat die Welt aus den Angeln gehoben. Auch unsere.

    Zum ersten Mal in zehn Jahren konnten weder Dr. Vera Fleig und Dr. Stefan Blaser, noch ich zu unserem Kinderhilfsprojekt fliegen und uns vor Ort davon überzeugen, wie es den Kindern geht.

 

Obwohl uns das unheimlich traurig gemacht hat, waren wir doch froh, über Telefon, Skype  oder WhatsApp Kontakt zu halten. Regelmäßig haben wir mit Heimleiterin Josephine und den Kindern schreiben oder sprechen können und waren so immer auf dem Laufenden.

 

Nadine sieht Josephine und die Kinder - und umgekehrt. Dank Facetime halten wir mit Josephine und den Kindern Kontakt.
Nadine sieht Josephine und die Kinder - und umgekehrt. Dank Facetime halten wir mit Josephine und den Kindern Kontakt.

 Die Corona-Pandemie hat Kenia hart getroffen. "Das Virus hat uns große Angst gemacht", sagt Heimleiterin Josephine. 

 Bereits im März ist das Land in einen strengen Lockdown gegangen. Die Schulen haben geschlossen und auch die MiRO-Kinder mussten von nun an von Zuhause lernen. Dafür musste aber erst einmal Equipment angeschafft werden.

Deshalb hat unser Verein Radios und Laptops gekauft. Die kleineren Kinder wurden von den Lehrern über spezielle Rundfunkprogramme Mithilfe des Radios unterrichtet. Die Älteren konnten Dank der Laptops am digitalen Unterricht ihrer Schule teilnehmen.

 

Die ältesten Jungen sitzen vor "Ihrem" Haus.
Die ältesten Jungen sitzen vor "Ihrem" Haus.

 Doch es gab ein weiteres Problem: auch die ältesten Kinder, die normalerweise auf weiterführenden Schulen in Internaten im Norden des Landes leben, wurden ins Heim zurückgeschickt. Und somit wurde der Platz mit 45 Kindern im Alter von 2 bis 18 Jahren viel zu knapp.

    Eltern, die ein paar Wochen im Homeoffice mit ihren Kindern waren, können sich vielleicht annähernd vorstellen, welche Spannungen entstehen, wenn 45 Kinder monatelang auf kleinstem Raum zuhause hocken müssen. Also haben wir in Absprache mit dem Jugendamt ein weiteres kleines Haus in der Nähe angemietet und die älteren Jungs ausquartiert. Dank zahlreicher Spenden war es uns möglich, die Miete zu bezahlen, Betten zu kaufen, Kühlschrank, Herd und andere lebenswichtige Einrichtungsgegenstände. Die sieben Jungs, die nun mit einem Hausvater zusammen in den kleinen Haus leben, sind nun zufrieden. Sie lernen kochen, kümmern sich selbst um den Haushalt und lernen so auf eigenen Beinen zu stehen.

Unter der Anleitung von Koch Felix lernen die Kinder, wie man Mais anbaut.
Unter der Anleitung von Koch Felix lernen die Kinder, wie man Mais anbaut.

 Dazu gehört auch Nahrungsmittel anzubauen. Im März wurde Kenia von einer Heuschreckenplage heimgesucht. Während der Corona-Pandemie sind die Lebensmittel-Preise zusätzlich extrem gestiegen. Um sich selbst zu versorgen, hat Josephine mit dem ältesten Jungs und ältesten Mädchen ein Landwirtschaftsprojekt aufgebaut. Auf einem nahegelegenen Acker bauen die MiRO-Kinder Mais, Spinat, Grünkohl, Kartoffeln an.

 

Das hilft nicht nur, sich selbst zu ernähren. Die Kinder lernen so auch, wie man Lebensmittel produziert und wie überlebenswichtig diese Fähigkeit in einer Krise ist. "Wir genießen die Zeit draußen und auch die körperliche Arbeit tut gut, wenn man ansonsten im Lockdown nicht viel tun kann", berichtet Bob, einer der ältesten Jungs am Telefon. 

 

Am neu ausgehobenen Brunnen holen die angehenden Jungbauern Wasser für die Maispflanzen.
Am neu ausgehobenen Brunnen holen die angehenden Jungbauern Wasser für die Maispflanzen.

 Zudem hat sich auch die Möglichkeit ergeben, dass sich die Jungen mit Farmarbeit ein kleines Taschengeld verdienen können. Sie ziehen Baumsetzlinge heran und verkaufen diese auf dem Markt. 

 Aufgrund der Hitze und Trockenheit war es unbedingt notwendig, für die Bewässerung der Pflanzen einen Brunnen zu bauen. Wir freuen uns sehr, dass Dank großzügiger Spender der Brunnen im Sommer gebaut werden konnte. 

 

Doch nicht nur diese Spende hat auch in diesem schwierigen Jahr das Leben der MiRO-Kinder erleichtert. Nur dank Euch, liebe Freunde, ist es möglich, weiterhin die Miete, die Hausmütter, den Koch, die Verpflegung und die medizinische Versorgung zu gewährleisten.
Das Röntgenbild macht es sichtbar: der Oberschenkel ist durch.
Das Röntgenbild macht es sichtbar: der Oberschenkel ist durch.

 Wie lebenswichtig ein finanzieller Puffer für medizinische Notfälle ist, haben wir im November gemerkt. Einer der älteren Jungs hatte einen schweren Unfall. Beim Klettern stürzte er von einer Mauer. Er brach sich den Oberschenkel und zog sich Kopf-und Gesichtsverletzungen zu. Ein Schock. Vor allem weil die Situation in den Krankenhäusern aufgrund der Corona-Pandemie noch katastrophaler war als ohnehin schon. Das erste Krankenhaus, in dem er notversorgt wurde, war für solch einen Eingriff nicht vorbereitet und eine Verlegung in ein Privatkrankenhaus war notwendig. Help for MiRO hat die Kosten für die Verlegung, die notwendige Operation und Nachbehandlung übernommen "Es waren die schlimmsten Stunden meines Lebens, den Jungen so leiden sehen zu müssen", erinnert sich Josephine. In einer Operation wurde sein Bein gerettet.

 

Erst im zweiten Krankenhaus konnte sein Oberschenkelbruch operiert werden.
Erst im zweiten Krankenhaus konnte sein Oberschenkelbruch operiert werden.

 "Den Röntgenbildern nach zu urteilen, ist die Operation gut verlaufen", sagt Ärztin Dr. Vera Fleig mit Hinblick auf die Röntgenbildern, die uns Josephine über WhatsApp weiterleitet.  Leider musste er bereits kurz nach der Operation das Krankenhaus verlassen, da Corona ausgebrochen war. Josephine organisierte, dass regelmäßig ein Arzt zuhause nach ihm sieht und die ersten Tage sich eine Krankenschwestern um ihn kümmert.

 

Nur ein kleines Geburtstagsfest für die MiRO-Kinder. Aufgrund von Corona ohne Gäste, aber mit lecker Essen.
Nur ein kleines Geburtstagsfest für die MiRO-Kinder. Aufgrund von Corona ohne Gäste, aber mit lecker Essen.

 Zum Geburtstag Ende November, dem 11.des Miro-Heims, konnte der 16-Jährige schon ein paar Schritte auf Krücken laufen. Weil nicht klar ist, wann die Kinder geboren wurden, wird im November eine große Geburtstagsfeier für alle veranstaltet. Eigentlich. Aufgrund der Corona - Pandemie gab es in diesem Jahr keine riesige Party mit Gästen. Stattdessen feierten die Kinder mit ihren Betreuern in kleiner Runde. Es gab einen Kuchen und Süßigkeiten - und viele glückliche Gesichter auf den Fotos, die wir geschickt bekamen. Wir hoffen sehr, dass wir im nächsten Jahr wieder live vor Ort dabei sein können.

 

Zuversichtlich ins neue Jahr: Mama Josephine mit einigen der Mädchen.
Zuversichtlich ins neue Jahr: Mama Josephine mit einigen der Mädchen.

Bis es aber soweit ist, beten wir dafür, dass alle gesund bleiben und die Corona-Pandemie bald ein Ende nimmt. Wir sind allen, die den Kindern des Miro-Heims ein besseres Leben in dieser schweren Zeit ermöglichen, von ganzem Herzen dankbar. Wir hoffen, dass die Kinder sich zu Weihnachten über das vom Verein geschickte 25kg Paket aus Deutschland freuen werden und die Kinder so wissen, dass wir in Gedanken bei ihnen sind.

 

Im Namen des Miro-Teams wünschen wir eine frohe Weihnacht und Gesundheit, Glück und Freude im neuen Jahr. 

 

Bleiben Sie, bleibt Ihr, bitte gesund und zuversichtlich.
Euer Help-for-MiRo-Team

 

       Nadine, Vera und die anderen

 

Di

19

Nov

2019

Danke an alle!

Die kleine Auwa ist momentan der Sonnenschein.
Die kleine Auwa ist momentan der Sonnenschein.

Ja, ok. Es war schon ein bisschen gemein von mir, bei unserem Telefonat vor 2 Wochen zu sagen, ich wüsste noch nicht, ob ich zum Geburtstag da sein könnte. Aber so ist wenigstens die Überraschung groß, als ich fünf Tage vor dem Geburtstag plötzlich ans Tor des Miro-Heims klopfe. Niemand hat mit mir gerechnet. Vor allem nicht, weil es fast unmöglich war, das Kinderheim in Utange zu erreichen. Schwere Regenfälle haben die Straßen unpassierbar gemacht. Selbst mit dem Motorradtaxi kommt man im zum Teil hüfthohen Wasser auf der mit tiefen Schlaglöchern übersäten Straße kaum weiter.
Also wate ich die letzten Kilometer durch die Dreckbrühe und hoffe, weder plötzlich in einem Schlagloch zu versinken, noch auf eine Schlange zu treffen. Danke Klimawandel!

Diese Straße ging noch. Andernorts stand das Wasser bis zum Bauch.
Diese Straße ging noch. Andernorts stand das Wasser bis zum Bauch.

"Aaaaahja Nadine, it's Nadine", schallt es mir entgegen. Die Freude ist groß, die Kleinen hüpfen aufgeregt um mich herum.

Im Haus aber der Schock: es regnet rein. Im Zimmer der großen Mädchen tropft das Wasser durch die Decke. Der Putz löst sich. Rebecca, Sarah und Co müssen nun mit im Zimmer der jüngeren Mädchen schlafen. 12 Menschen in einem kleinen Raum, in dem zwei Stockbetten mit fünf Schlafgelegenheiten stehen. Kuschelig.
Als es tags drauf aufhört zu regnen, gehen wir aufs Dach. Dort hatte ein Handwerker zwar das marode Flachdach erneuert, aber zwischen den Schindeln des Schrägdachs klaffen große Lücken. Wir rücken die Schindeln in die offenen Stellen und hoffen, dass so beim nächsten Mal  alles trocken bleibt.

Blick aus dem Mädchenzimmer auf die Sumpflandschaft.
Blick aus dem Mädchenzimmer auf die Sumpflandschaft.

Die folgenden Tage scheint zum Glück die Sonne und die Überschwemmungen gehen zumindest auf den Straßen langsam zurück. Allerdings steht das Wasser rundherum in Tümpeln auf dem Nachbargrundstücken und bietet bei 31 Grad Hitze die perfekte Brutstätte für Moskitos. "Die Gefahr für Malaria und Dengue-Fieber steigt", warnt  Dr. Vera Fleig übers Telefon. Die  Ärztin hat mit mir vor neun Jahren  das Hilfsprojekt ins Leben gerufen, um die Kinder im Miro-Waisenhaus zu unterstützen.
Laut Weltgesundheitsorganisation starben allein 2017 weltweit rund 435.000 Menschen an Malaria. Auch das Dengue-Fieber kann potentiell tödlich sein. Prima, denke ich und schaue auf die grüne Glibbermasse, die sich Garten schimpft. 

Ohne Platz im Garten wird es eng werden beim großen Kindergeburtstag, den wir vorbereiten. Weil die meisten der 45 Miro-Kinder als Babys auf den Müll geworfen wurden oder in jungen Jahren ihre Eltern verloren haben, wissen wir nicht, wann genau sie geboren wurden. Deshalb feiern wir einmal im Jahr eine große Geburtstagsparty für alle zusammen. Zeitgleich ist es auch der Geburtstag des Miro-Heims, das Leiterin Josephine Mutisya vor nun zehn Jahren gegründet hat, um schutzbedürftigen Kindern ein Zuhause zu schenken. So wie den beiden Neuankömmlingen im Miro-Heim. Die Sechsjährige und ihr zweijähriger Bruder mussten mitansehen, wie ihr Vater ihrer Mutter die Kehle durchtrennt hat. Es sind unvorstellbare Dinge, die die meisten dieser Kinder durchleben mussten. Im Miro-Heim sollen sie diese Schrecken vergessen. 

Abby kriegt die Haare schön gemacht für die Geburtstagsparty.
Abby kriegt die Haare schön gemacht für die Geburtstagsparty.

"Deshalb ist es wichtig, ihnen einmal im Jahr ein großes Fest zu ermöglichen", erklärt Josephine. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Alle sind mega-aufgedreht. Die Mädchen bekommen die Haare bunt eingeflochten. Weil mir Condor wieder 20 zusätzliche Kilo Spendengepäck bewilligt hat und weil viele liebe  Spender aus Marburg - Biedenkopf und ganz Deutschland mir Schuhe zukommen ließen, kann sich jedes Kind mit einem neuen Paar eindecken. 

Die Freude ist riesig. Stolz präsentieren die Kids ihr Festtagsoutfit. 
Koch Felix schlachtet mit Hilfe der älteren Jungs zwei Ziegen. Freunde, Verwandte und Bekannte kommen, um das Festmahl vorzubereiten. Es gibt Reis mit Ziegenfleisch, Chapati (Fladenbrot), Weißkraut und Hühnchen. Wir schmücken das Haus mit bunten Ballons und Bändern.

Nach und nach trudeln mehr Gäste ein. Die Belegschaft eines Hotels schenkt fünf Kuchen. Fröhliche Musik dröhnt aus Boxen. Die Kinder beten, singen und klatschen und springen begeistert im Takt. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Ruhig wird es nur beim Essen, wenn sich alle den Bauch so voll schlagen wie möglich. Es erstaunt mich immer wieder, was in so einen kleinen Magen reinpasst. Aber Kinder, die gehungert haben, nutzen diese Chance zur Völlerei. Der einstudierte Song der älteren Kinder wird frenetisch gefeiert.  

Zum Schluss verteile ich die Geschenke. Vielen Dank an all die lieben Spender, die uns Spiele, Geometrie-Sets und vieles mehr zukommen ließen. MedEl hat jedem Kind einen Turnbeutel gesponsert. Zusätzlich hab ich jedem Kind noch Stifte und ein Buch besorgt,sodass jedes Kind in etwa die gleichen Sachen bekommt und sich nicht benachteiligt fühlt. Die Freude ist riesig. Vielen Dank an alle, die mit ihrer Unterstüzung zu diesem

Asante sana!

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Mo

03

Dez

2018

Todesangst


Update aus Kenia: Heute kein Kinderlachen, sondern Todesangst. Wir sind angegriffen worden. Zusammen mit unserem Koch Felix und den drei ältesten Jungs sind wir mit zwei Bodabodas, zwei Motorrad-Taxis zu unserem Land gefahren, das wir im Begriff sind zu kaufen.  Plötzlich kamen aus den Büschen Männer mit Stöcken, die uns anschrien und unseren Koch attackierten.
Die Jungs sind mit den fliehenden Motorradtaxis abgehauen. Ungefähr sechs, sieben Männer schlugen auf Felix ein und traten ihn. Mich haben sie nicht angerührt. Deshalb habe ich versucht, den stark am Kopf blutenden Felix so gut es ging, abzuschirmen und wegzuzerren. Wir sind dann um unser Leben gerannt und konnten schließlich entkommen. Felix hat zwei Platzwunden am Kopf erlitten und Prellungen. Er wurde im Krankenhaus versorgt und hat glücklicherweise keine schwereren Verletzungen davongetragen. Der Schock sitzt allerdings bei uns allen tief. Jetzt weiß auch ich, was posttraumatischer Stress ist.


Hintergrund: Seit zwei Jahren versuchen wir auf legalem Weg ein Grundstück zu erwerben, das wir ganz in der Nähe gefunden haben, nachdem wir praktisch in ganz Kenia gesucht haben.


Die Squatters haben an anderer Stelle in Utange eine Straße mit Steinen blockiert und Büsche angezündet.
Die Squatters haben an anderer Stelle in Utange eine Straße mit Steinen blockiert und Büsche angezündet.

Doch seit einiger Zeit hatten  sogenannte Squatters das Land besetzt. Laut unserem Anwalt eine gängige Masche vor allem an der Küste. Hier herrscht ein regelrechter Krieg um     Land. 'Sobald Kaufinteressenten Land besichtigen, besetzen Kriminelle die Grundstücke und behaupten, sie gehören ihnen, obwohl dem nicht so ist ", erklärt er. Ursachen dafür sind zum Teil ethnische Rivalitäten.
Vor einigen Tagen hat die Immobilienfirma mit Hilfe der Polizei, die Squatters vertrieben und gemeint, man könne nun anfangen eine Mauer zu bauen. Sie forderten das Geld für das Grundstück. Deshalb sind wir hingefahren, um zu dokumentieren, ob die Squatters unsere Grenzsteine herausgerissen haben. Denn wir haben das Land nur angezahlt. Dass dann so etwas passiert, damit hätte wirklich keiner gerechnet.
Es hat uns zwei Jahre gekostet, um das Land offiziell auf den deutschen Verein im Grundbuch eintragen zu lassen. Das Mietshaus, in dem wir leben, ist einfach zu klein und teuer. Immer wieder sind wir der Willkür unseres Vermieters ausgeliefert. Und nun wollen auch noch Landbesetzer das Land, das für ihre auf den Müll geworfenen, ausgesetzten, verwaisten Kinder bestimmt ist, mit Gewalt in ihren Besitz bringen. Das ist einfach unfassbar. Unfassbar für uns alle.

Dass Kenia ein gefährliches Land ist,  war mir ja bewusst. Erst letzte Woche ist eine Mitarbeiterin einer italienischen Hilfsorganisation ganz in der Nähe gekidnapt worden. Die Gangster stürmten die Einrichtung mit Maschinenpistolen und schossen um sich. Mehrere Menschen wurden verletzt. So etwas liest man. Wenn man die Gewalt dann aber hautnah miterlebt, dann hat das eine ganz neue Qualität.


Da frag ich mich zum ersten Mal, warum ich mir das alles antue. Und dann kommt so ein kleiner Knirps drei Tage nach dem Überfall zu mir und fragt mich, wann ich denn wieder "geheilt" sei. Er mag nicht mehr so traurig sehen. Er nimmt mich bei der Hand und lacht. Also zusammenreißen und weiter machen. Für eben solch ein Kinderlachen. 


Denn ohne unsere Unterstüzung hätten diese Kinder leider überhaupt keine Zukunft. Auch wenn die Sache mit dem Land Scheiße ist, müssen wir uns vor Augen halten, was wir alles geschafft haben. Letzte Woche auf unserem neunten Geburtstag haben wir mal hochgerechnet, wie vielen Kindern wir schon helfen konnten. Es waren mehr als 120: Babies, die nach der Geburt zum Sterben auf den Müll geworfen wurden. Kinder, deren Eltern gestorben sind, die sich jahrelang im Slum durchschlagen mussten. Sie alle haben nun ein Zuhause, sind gut versorgt. Erhalten eine gute Schulbildung. Dafür lohnt es sich weiterzukämpfen. 

Mi

21

Nov

2018

Das nächste Mal in Gummistiefeln

Ich hätte Gummistiefel anziehen sollen.
Sagt Rebecca und bricht in schallendes Gelächter aus.
So in meinen Flip Flops hätten sie mich ja sofort erkannt.
Meint die 12-Jährige.
Gut, bei meinem nächsten Überraschungsbesuch ignoriere ich die 30 Grad im Schatten und stecke meine Quanten in Gummistiefel....
Obwohl mich die 40 köpfige Rasselbande an meinen Kasefüßen erkannt hat, ist der Überraschungsbesuch dennoch geglückt. Im Chor rufen die Kinder meinen Namen. Die Freude ist riesengroß. Auf beiden Seiten.
Ich checke erstmal die Lage im Haus und bin erleichtert. Alles gut. Besser noch. Alle Babies sind gesund und munter. Vier Hausmütter und zwei Hausväter sind im Dienst. Das Haus ist sauber. Seitdem Vera und Stefan drei Monate lang alles auf Vordermann gebracht haben, ist es auch so geblieben. 'Wir haben schon ganz lange keine Ratte mehr', verkünden die Kinder stolz. Aufgrund einer illegalen Mülldeponie hinter dem Haus, kamen nachts Ratten ins Haus. Mit Kammerjäger, Schutzgittern an den Fenstern und dem
Verstauen der Lebensmittel in Container konnte das Miro-Team das Problem bekämpfen.

Die kommenden Tage steht alles im Zeichen der Geburtstagsvorbereitungen. Da die meisten der Kinder Waisen sind, ausgesetzt oder gar als Babys zum Sterben weggeworfen wurden, wissen wir nicht, wann sie Geburtstag haben. Deshalb feiern wir einmal im Jahr für alle ein großes Geburtstagsfest gemeinsam. Tagelang wird gekocht und vorbereitet. 'Nadine, Today we will slaughter the sheep. Aiiii... Yummy, I am so happy', erklärt mir Blessing und hüpft auf und nieder. Äh ja. Ich als Vegetarier freu mich jetzt nicht unbedingt darauf, dass das Schaf geschlachtet wird. Aber... T.I.A... This is Africa.  Uncle Ngala macht kurzen Prozess mit dem armen Schaf, hängt es am Baum auf und nimmt es fachmännisch auseinander.
Die Kinder stehen drum herum und bekommen eine Gratis-Stunde in Schafsanatomie. Die drei Volunteers aus Dänemark können kaum hinschauen. Ich habe die Hoffnung, dass Sie nach dieser Erfahrung auch Vegetarier werden wie ich.
   Gemeinsam schmücken wir das Haus. Die Kinder sind seit Tagen aus dem Häuschen. 'Of course, it is our special day', erklärt Joshua. Alle putzen sich heraus. Die neuen aus Deutschland mitgebrachten Schuhe sind super. Vielen Dank an alle, die sie uns gespendet haben.
Bis auf die vier größten Jungs haben alle passende gefunden, die zur großen Feier angezogen werden. Und dank einer tollen Geldspende kann ich auch den großen Jungs Schuhe kaufen. Wir gehen Schuhe shoppen. Die Jungs zum ersten Mal in ihrem Leben. Vom restlichen Geld können wir etwas ganz wichtiges besorgen. Stühle. Weil fast alle der Plastikstühle total kaputt sind , kaufen wir neue. 20 kleine und 10 große. Hurra, wir können beim essen wieder alle sitzen.


Dann ist der große Tag da. Wir feiern den neunten Geburtstag des Miro-Heims. Es wird ein total krasser Kindergeburtstag! Singen, Tanzen, Beten, Essen und lachen. Stundenlang. Ausgelassen.  Höhepunkt sind der Kuchen und die Geschenke. Für jeden gibt es einen Turnbeutel mit Süßigkeiten, Stiften, einem Buch, einer Trinkflasche für die Schule und Spiele. Die Kinder sind glücklich. 


Von ganzen Herzen ein großes Dankeschön an alle, die uns so geholfen haben, das möglich zu machen. Ihr seid die besten. 

Do

05

Apr

2018

Aufgeben gibt es nicht! Vera, ihr Mann Stefan und ihre Schwester Nadine kämpfen mit widrigen Umständen.

Nadine: Vera, Stefan, Ihr seid jetzt seit 6 Wochen in Kenia. Wie war Eure Ankunft?
Vera, Stefan:  Die Kinder haben sich wie immer riesig gefreut über unsere Besuche an den Nachmittagen im Heim. Drei Hausmütter, ein Askari (Sicherheitsmann), der Koch und eine Küchenhilfe haben sich gemeinsam mit Heimleiterin Josephine um 35 Kinder und sieben Babies gekümmert. Leider haben unsere beiden langjährigen Hausmütter Anfang des Jahres ihre Arbeit im Heim beendet, was sehr schade ist. Einer der Gründe ist sicherlich die zunehmende Arbeitsbelastung im Heim. Das Jugendamt bringt ohne die Zustimmung des deutschen Vereins immer weiter Babies und Kinder ins Heim. Die kenianische Heimleiterin lässt dies leider aus Mitleid geschehen. An sich haben wir immer gesagt, dass mehr als 30 bis maximal 35 Kinder nicht aufgenommen werden können, da das Haus für mehr Kinder einfach zu klein ist. Aber seit wir hier sind wurden nun noch 3 weitere Kinder gebracht, immer angeblich nur für wenige Tage bis Verwandte gefunden sind, aber nun sind es schon mehrere Wochen. Es leben also momentan 45 Kinder und 6 Hausangestellte auf engem Raum zusammen. Dadurch wird es immer schwieriger Ordnung und Hygiene einzuhalten. Ein Glück nur, dass die Kinder ab 3 Jahre unter der Woche in einen Ganztageskindergarten bzw. Ganztagesschule gehen.

 

Nadine: In welchem Zustand sind die Babies? 
Vera: Zwei der Babies sind stark unterernährt und wiegen nur ca. 2kg. Es war gut, dass meine Schwester einen ganzen Koffer voll hochwertigem Milchpulver für Säuglinge mitgebracht hat. Wir hoffen, dass sie dadurch an Gewicht zunehmen und stabil werden.
Nadine: Was gibt es sonst noch zu berichten?
Vera: Die schlechten Nachrichten gehen leider weiter. Vor drei Wochen waren plötzlich Ratten im Haus. Sie sind nachts von draußen durch die Fenster gekommen. Ein neuer Nachbar hat eine kleine Geflügelzucht und das lockt die Nager an. Das war schrecklich. Wir haben sofort für vierhundert Euro verschließbare Boxen gekauft, um die Essensvorräte sicher zu verstauen. Außerdem haben wir Frühjahrsputz gemacht und alles, wo die Ratten dran waren, verbrannt. Wir haben einen Kammerjäger kommen lassen, der Giftboxen ausgelegt hat. Und zwei Katzen haben wir auch gekauft.
Stefan: Ratten sind Überträger von zahlreichen Erkrankungen. Am bekanntesten ist sicher die Pestverbreitung über den Rattenfloh, aber auch andere gefährliche Krankheiten wie z.B. Salmonellosen,  die Hantavirusinfektion, Leptospirosen etc. werden von Ratten verbreitet. Wir versuchen dem Personal und auch den älteren Kindern zu erklären, wie wichtig die Bekämpfung der Plage ist und dass es wichtig ist, den Nagetieren alle Futterquellen im Haus zu entziehen. Wir haben die Lagerräume aufgeräumt und noch 2 zusätzliche große Schränke bauen lassen, um Kleiderspenden sicher zu verstauen. Desweiteren ist geplant, die Fenster engmaschig vergittern zu lassen, so dass die Ratten nicht mehr ins Haus kommen.

 

Nadine: Wie ist die Lage jetzt?
Vera: Etwas Besser. Der Kammerjäger kommt nun 1x pro Woche, um zu kontrollieren, dass auch wirklich keine Ratten mehr auftauchen.

 

 

Nadine: Aber du hörst dich trotzdem nicht gut an. Was ist los?
Vera: Die Hausmütter, die anfangs da waren, haben nach kurzer Zeit gekündigt oder fallen aufgrund von Krankheit länger aus. Wir haben alles versucht, um rasch geeignetes Personal zu finden. Es war letzte Woche eine wirklich verzweifelte Situation, weil es vor allem für die Versorgung der Babies ein Problem ist, wenn nur noch 1 Hausmutter da ist, um Josephine zu helfen. Zum Glück waren Schulferien, so dass unsere großen Mädels (15 und 17Jahre) fleißig mitgeholfen haben. Aber das sollte ja eigentlich niemals vorkommen.  Wir haben das Jugendamt Mombasa und Kisauni informiert und um Hilfe gebeten. Da bekommt man leider nur zu hören, dass viele Heime hier Probleme mit dem Personal haben. Josephine und wir haben uns im Bekanntenkreis, in der Kirchengemeinde und Schule umgehorcht und sogar eine Stellenanzeige verfasst. Zum Glück konnten wir innerhalb von wenigen Tagen 3 neue Hausmütter finden. Ziel ist es, dass wir deren Arbeitsbedingungen nun so verbessern, dass sie auch langfristig bleiben. Dafür müssen wir weiteres Personal einstellen und dafür sorgen, dass sie mehr freie Tage bekommen.
Letztlich versuchen wir  die Heimleiterin Josephine und das Jugendamt zu überzeugen, einige der Babies in Pflegefamilien zu vermitteln.
Bei allem Verständnis dafür, dass das Jugendamt zahlreiche Kinder zu vermitteln hat, muss trotzdem gewährleistet sein, dass alle Kinder im Heim gut versorgt sind. Das ist Help for MiRO den Kindern und auch den Spendern schuldig. Bei 45 Kindern ist nun die Schmerzgrenze in diesem angemieteten Haus allmählich wirklich erreicht- zumindest für jemanden aus Europa.
Nadine: Ihr seid ja aber vor allem wegen des Landkaufes nach Kenia geflogen. Wie steht es damit? 
Vera und Stefan: Leider auch nicht wie erhofft. Wir haben ja im letzten Jahr für den deutschen Verein 3 kleine Grundstücke als 999-Jahre Langzeitpacht erworben. Seitdem warten wir auf die offizielle Grundbucheintragung. Unser deutscher Verein hat nun zwei Grundstückstitel erhalten. Der dritte Kaufvertrag ist auf dem Landamt angeblich einfach verschwunden. Wir haben alles nochmal neu beantragen müssen für den auf so seltsame Weise verschwundenen Titel. Das dauert. Zusätzlich haben sich erneut Landbesetzer, sogenannte „Squatters“, auf unserem Land niedergelassen, die das Land unrechtmäßigerweise für sich proklamiert haben und versuchen es zu schnell verkaufen. Das sei an der Küste Kenias häufig, erklärt unser kenianischer Anwalt. Wenn Land, in einer beliebten Gegend unbebaut ist, dann tun „Squatters“ so, als würde es ihnen gehören, um es dann für 10% des eigentlichen Kaufpreises schnell zu verkaufen. Erst nach einem Gerichtsurteil und einer Polizeirazzia konnten diese Kriminellen vertrieben werden. Es ist alles furchtbar frustrierend. Wenn man hier legal Land kaufen will, werden einem nur Steine in den Weg gelegt. Das zehrt sehr an einem. Unser Verein wollte sichergehen, dass das Land auch eingetragen ist und einen Titel hat, um Probleme in Zukunft zu verhindern. Dass das aber dann ein jahrlanger Prozess wird, damit haben wir nicht gerechnet. Wir brauchen so dringend ein größeres Haus und nun verzögern die hiesigen Behörden den geplanten Baubeginn der Mauer.
Nadine: Das klingt echt frustrierend. Warum tut Ihr Euch das eigentlich alles an?
Vera: Weil wir diese Kinder lieben. Deshalb machen wir weiter.
Nadine: Was wünscht Ihr Euch?
Vera und Stefan: Dass wir in den nächsten Wochen das neue Personal gut einarbeiten können und die neuen Hausmütter den MiRO Kindern die Zuwendung und Liebe geben, die sie verdient haben.

Wir hoffen, dass unsere Spender den Kindern treu bleiben und dass wir das Heim weiterhin mit mindestens 3000 Euro monatlich unterstützen können und parallel  die Spenden für das Haus zusammen bekommen. Hoffentlich schaffen wir es, noch während den verbleibenden Wochen hier, den Beginn des Mauerbaus mitzuerleben.

Sa

02

Dez

2017

Ein Geburtstag für 40 Kinder

Eigentlich müsste sie tot sein. 
Als Bahati ins MiRO Heim gebracht wurde, wog das kleine Baby gerade einmal 1,1 Kilo. 
“Ich habe geweint, als ich sie gesehen habe“ , erinnert sich MiRO- Heimleiterin Josephine Mutisya. 
Zwei Wochen ist das jetzt her. Seitdem kämpfen Josephine und die Hausmütter jeden Tag um das Leben des Babys, das von seiner Mutter einfach kurz nach der Geburt in einem Krankenhaus zurückgelassen wurde. Noch immer hat das Baby spindeldürre Ärmchen und ein ausgemergeltes Gesichtchen. Ich traue mich kaum, das winzige Häufchen Mensch anzufassen, aus Angst, ich könnte mit einer einzig falschen Bewegung ihr kurzes Leben auslöschen. Doch Josephine ist guter Dinge. Sie glaubt fest daran, dass sie das Baby durchbringen werden. Deshalb haben sie es Bahati getauft. Es bedeutet Glück auf Suaheli.
Ich schaue  mich im Babyzimmer um. Sonnenstrahlen fallen auf die  dicken Gesichter von Elijah und Pendo. Der vier Monate alte Junge und das fünf Monate alte Mädchen waren in kaum einem besseren Zustand als Bahati, als sie vom Jugendamt ins MiRO gebracht wurden. Heute sind beide wohlgenährt. Das kostet viel Geld. Säuglingsnahrung ist unheimlich teuer. Deshalb lehnen die meisten Waisenäuser Babys ab. Doch ich kann MiRO-Heimleiterin Josephine verstehen, auch ich könnte so einem armseligen Würmchen nicht einfach die Chance auf Leben verweigern. 
In den acht Jahren, in denen das Heim vornehmlich aus Deutschland unterstützt wird, konnte insgesamt mehr als 100 Kindern geholfen werden. Viele dieser Kinder wurden als Babys ausgesetzt. Manche zum Sterben auf den Müll geworfen. Andere haben ihre Eltern verloren, haben gehungert oder wurden missbraucht. “Manche Babys bleiben nur ein paar Monate zum Aufpeppeln, bis sie in Pflegefamilien untergebracht werden“, erklärt Josephine. 
3000 Euro überweist der in Marburg ansässige Verein monatlich ans MiRO-Heim. Mindestens zwei Mal im Jahr überprüfen Dr. Vera Fleig, ihr Mann Dr. Stefan Blaser und ich den Einsatz der Spendengelder. Davon wird eine medizinische Versorgung sowie die ausgewogene Ernährung garantiert, die Schule, die Miete für das Haus, der Koch und die Hausmütter bezahlt. Momentan leben 40 Kinder im Heim. Bahati, Pendo, Seth, Elijah und Gift sind unter einem Jahr alt. Weil man von den meisten das Geburtsdatum nicht kennt, feiert das MiRO-Kinderheim ein Mal im Jahr ein gemeinsames Geburtstagsfest.   

 Seit Wochen freuen sich die Kinder auf diesen..ihren...Tag. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Der Koch bereitet mit Hilfe der Hausmütter Reis, Chapati (würzige Pfannkuchen), Pilau (Gemüseintopf) und zur Feier des Tages auch Fleisch vor. Die großen Kinder helfen fleißig mit. Gemeinsam sitzen sie im Schatten hinter dem Haus und waschen Tomaten und zupfen Salat. Es dauert ewig. Bei 35 Grad im Schatten geht eben alles etwas langsamer. 

“Es wird aber eine kleine Party, viele Freunde von uns sind aufgrund der politischen Lage nicht an der Küste“, erklärt Josephine und blättert besorgt in der Tageszeitung “Daily Nation“.  Aufgrund der Präsidentschaftswahl kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Oppositionsanhängern und der Polizei. Mehr als 60 Menschen kamen bei Straßenschlachten ums Leben.  Momentan ist in der Küstenstadt Mombasa trügerische Ruhe eingekehrt. Doch glaubt man politischen Beobachtern wird es in dem tief gespaltenen Land weiterhin zu Spannungen kommen.
 Ein anderer Grund, warum die Geburtstagsparty der MiRO-Kinder klein wird, sind die Windpocken. Fast alle Jungen und Mädchen hatten oder haben mit der hoch ansteckenden Kinderkrankheit zu kämpfen. Vor allem für meine Schwester Johanna ist das eine beschissene Nachricht. Da sie als Kind keine Windpocken hatte, ist sie dazu verdammt, den Kindern fern zu bleiben. “Da ich extra für den Geburtstag nach Kenia geflogen bin, ist das echt übel“, sagt sie traurig. 
Dank Johanna, meiner Mutter Marita und meiner Freundin Miriam konnten wir insgesamt 80 Kilogramm an Spenden mitnehmen. Freunde, Verwandte und Bekannte haben seit Monaten Stifte, Rucksäcke, Federmäppchen und Schuhe bei uns abgegeben, die nun in fünf vollgepackten Koffern im kleinen, mit Luftballons und bemalten Wimpeln geschmückten Garten des MiRO-Heims liegen. Zuerst werden die Schuhe ausgepackt. “Oiiijooo das sind tolle Schuhe“, ruft die achtjährige Blessing und klatscht in die Hände.Geduldig probieren die Jungen und Mädchen so lange Schuhe an, bis alle ein passendes Paar haben.
Nach dem Festmahl geht's Auspacken weiter: “Jay...wow!!!“ Erfreute Rufe begleiten mein Öffnen der Koffer. Für jedes Kind haben wir einen passenden Rucksack samt mit Stiften, Radiergummis, Linealen und Spitzern gefüllten Federmäppchen vorbereitet. Die Kinder strahlen übers ganze Gesicht. “Wonderful, wonderful, wonderful“, ruft Blessing und hüpft mit Abby um die Wette.  Den gesamten Abend sind die Kinder damit beschäftigt sich lauthals lachend ihre Geschenke zu zeigen. 

 

 

Deshalb noch einmal: Von Herzen vielen Dank an alle für diese tollen Geschenke! ASANTE SANA!!!
Eure Nadine!

Hier die Bildergalerie :)

Sa

19

Dez

2020

Frohe Weihnachten und ein besseres neues Jahr

Liebe Freunde des MiRo-Heims,

Die Kleinsten des MiRO haben im März Masken geschenkt bekommen, die sie aber nur kurz fürs Foto aufgezogen haben ;)
Die Kleinsten des MiRO haben im März Masken geschenkt bekommen, die sie aber nur kurz fürs Foto aufgezogen haben ;)

 Ein hartes Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Die Corona-Pandemie hat die Welt aus den Angeln gehoben. Auch unsere.

    Zum ersten Mal in zehn Jahren konnten weder Dr. Vera Fleig und Dr. Stefan Blaser, noch ich zu unserem Kinderhilfsprojekt fliegen und uns vor Ort davon überzeugen, wie es den Kindern geht.

 

Obwohl uns das unheimlich traurig gemacht hat, waren wir doch froh, über Telefon, Skype  oder WhatsApp Kontakt zu halten. Regelmäßig haben wir mit Heimleiterin Josephine und den Kindern schreiben oder sprechen können und waren so immer auf dem Laufenden.

 

Nadine sieht Josephine und die Kinder - und umgekehrt. Dank Facetime halten wir mit Josephine und den Kindern Kontakt.
Nadine sieht Josephine und die Kinder - und umgekehrt. Dank Facetime halten wir mit Josephine und den Kindern Kontakt.

 Die Corona-Pandemie hat Kenia hart getroffen. "Das Virus hat uns große Angst gemacht", sagt Heimleiterin Josephine. 

 Bereits im März ist das Land in einen strengen Lockdown gegangen. Die Schulen haben geschlossen und auch die MiRO-Kinder mussten von nun an von Zuhause lernen. Dafür musste aber erst einmal Equipment angeschafft werden.

Deshalb hat unser Verein Radios und Laptops gekauft. Die kleineren Kinder wurden von den Lehrern über spezielle Rundfunkprogramme Mithilfe des Radios unterrichtet. Die Älteren konnten Dank der Laptops am digitalen Unterricht ihrer Schule teilnehmen.

 

Die ältesten Jungen sitzen vor "Ihrem" Haus.
Die ältesten Jungen sitzen vor "Ihrem" Haus.

 Doch es gab ein weiteres Problem: auch die ältesten Kinder, die normalerweise auf weiterführenden Schulen in Internaten im Norden des Landes leben, wurden ins Heim zurückgeschickt. Und somit wurde der Platz mit 45 Kindern im Alter von 2 bis 18 Jahren viel zu knapp.

    Eltern, die ein paar Wochen im Homeoffice mit ihren Kindern waren, können sich vielleicht annähernd vorstellen, welche Spannungen entstehen, wenn 45 Kinder monatelang auf kleinstem Raum zuhause hocken müssen. Also haben wir in Absprache mit dem Jugendamt ein weiteres kleines Haus in der Nähe angemietet und die älteren Jungs ausquartiert. Dank zahlreicher Spenden war es uns möglich, die Miete zu bezahlen, Betten zu kaufen, Kühlschrank, Herd und andere lebenswichtige Einrichtungsgegenstände. Die sieben Jungs, die nun mit einem Hausvater zusammen in den kleinen Haus leben, sind nun zufrieden. Sie lernen kochen, kümmern sich selbst um den Haushalt und lernen so auf eigenen Beinen zu stehen.

Unter der Anleitung von Koch Felix lernen die Kinder, wie man Mais anbaut.
Unter der Anleitung von Koch Felix lernen die Kinder, wie man Mais anbaut.

 Dazu gehört auch Nahrungsmittel anzubauen. Im März wurde Kenia von einer Heuschreckenplage heimgesucht. Während der Corona-Pandemie sind die Lebensmittel-Preise zusätzlich extrem gestiegen. Um sich selbst zu versorgen, hat Josephine mit dem ältesten Jungs und ältesten Mädchen ein Landwirtschaftsprojekt aufgebaut. Auf einem nahegelegenen Acker bauen die MiRO-Kinder Mais, Spinat, Grünkohl, Kartoffeln an.

 

Das hilft nicht nur, sich selbst zu ernähren. Die Kinder lernen so auch, wie man Lebensmittel produziert und wie überlebenswichtig diese Fähigkeit in einer Krise ist. "Wir genießen die Zeit draußen und auch die körperliche Arbeit tut gut, wenn man ansonsten im Lockdown nicht viel tun kann", berichtet Bob, einer der ältesten Jungs am Telefon. 

 

Am neu ausgehobenen Brunnen holen die angehenden Jungbauern Wasser für die Maispflanzen.
Am neu ausgehobenen Brunnen holen die angehenden Jungbauern Wasser für die Maispflanzen.

 Zudem hat sich auch die Möglichkeit ergeben, dass sich die Jungen mit Farmarbeit ein kleines Taschengeld verdienen können. Sie ziehen Baumsetzlinge heran und verkaufen diese auf dem Markt. 

 Aufgrund der Hitze und Trockenheit war es unbedingt notwendig, für die Bewässerung der Pflanzen einen Brunnen zu bauen. Wir freuen uns sehr, dass Dank großzügiger Spender der Brunnen im Sommer gebaut werden konnte. 

 

Doch nicht nur diese Spende hat auch in diesem schwierigen Jahr das Leben der MiRO-Kinder erleichtert. Nur dank Euch, liebe Freunde, ist es möglich, weiterhin die Miete, die Hausmütter, den Koch, die Verpflegung und die medizinische Versorgung zu gewährleisten.
Das Röntgenbild macht es sichtbar: der Oberschenkel ist durch.
Das Röntgenbild macht es sichtbar: der Oberschenkel ist durch.

 Wie lebenswichtig ein finanzieller Puffer für medizinische Notfälle ist, haben wir im November gemerkt. Einer der älteren Jungs hatte einen schweren Unfall. Beim Klettern stürzte er von einer Mauer. Er brach sich den Oberschenkel und zog sich Kopf-und Gesichtsverletzungen zu. Ein Schock. Vor allem weil die Situation in den Krankenhäusern aufgrund der Corona-Pandemie noch katastrophaler war als ohnehin schon. Das erste Krankenhaus, in dem er notversorgt wurde, war für solch einen Eingriff nicht vorbereitet und eine Verlegung in ein Privatkrankenhaus war notwendig. Help for MiRO hat die Kosten für die Verlegung, die notwendige Operation und Nachbehandlung übernommen "Es waren die schlimmsten Stunden meines Lebens, den Jungen so leiden sehen zu müssen", erinnert sich Josephine. In einer Operation wurde sein Bein gerettet.

 

Erst im zweiten Krankenhaus konnte sein Oberschenkelbruch operiert werden.
Erst im zweiten Krankenhaus konnte sein Oberschenkelbruch operiert werden.

 "Den Röntgenbildern nach zu urteilen, ist die Operation gut verlaufen", sagt Ärztin Dr. Vera Fleig mit Hinblick auf die Röntgenbildern, die uns Josephine über WhatsApp weiterleitet.  Leider musste er bereits kurz nach der Operation das Krankenhaus verlassen, da Corona ausgebrochen war. Josephine organisierte, dass regelmäßig ein Arzt zuhause nach ihm sieht und die ersten Tage sich eine Krankenschwestern um ihn kümmert.

 

Nur ein kleines Geburtstagsfest für die MiRO-Kinder. Aufgrund von Corona ohne Gäste, aber mit lecker Essen.
Nur ein kleines Geburtstagsfest für die MiRO-Kinder. Aufgrund von Corona ohne Gäste, aber mit lecker Essen.

 Zum Geburtstag Ende November, dem 11.des Miro-Heims, konnte der 16-Jährige schon ein paar Schritte auf Krücken laufen. Weil nicht klar ist, wann die Kinder geboren wurden, wird im November eine große Geburtstagsfeier für alle veranstaltet. Eigentlich. Aufgrund der Corona - Pandemie gab es in diesem Jahr keine riesige Party mit Gästen. Stattdessen feierten die Kinder mit ihren Betreuern in kleiner Runde. Es gab einen Kuchen und Süßigkeiten - und viele glückliche Gesichter auf den Fotos, die wir geschickt bekamen. Wir hoffen sehr, dass wir im nächsten Jahr wieder live vor Ort dabei sein können.

 

Zuversichtlich ins neue Jahr: Mama Josephine mit einigen der Mädchen.
Zuversichtlich ins neue Jahr: Mama Josephine mit einigen der Mädchen.

Bis es aber soweit ist, beten wir dafür, dass alle gesund bleiben und die Corona-Pandemie bald ein Ende nimmt. Wir sind allen, die den Kindern des Miro-Heims ein besseres Leben in dieser schweren Zeit ermöglichen, von ganzem Herzen dankbar. Wir hoffen, dass die Kinder sich zu Weihnachten über das vom Verein geschickte 25kg Paket aus Deutschland freuen werden und die Kinder so wissen, dass wir in Gedanken bei ihnen sind.

 

Im Namen des Miro-Teams wünschen wir eine frohe Weihnacht und Gesundheit, Glück und Freude im neuen Jahr. 

 

Bleiben Sie, bleibt Ihr, bitte gesund und zuversichtlich.
Euer Help-for-MiRo-Team

 

       Nadine, Vera und die anderen

 

Di

19

Nov

2019

Danke an alle!

Die kleine Auwa ist momentan der Sonnenschein.
Die kleine Auwa ist momentan der Sonnenschein.

Ja, ok. Es war schon ein bisschen gemein von mir, bei unserem Telefonat vor 2 Wochen zu sagen, ich wüsste noch nicht, ob ich zum Geburtstag da sein könnte. Aber so ist wenigstens die Überraschung groß, als ich fünf Tage vor dem Geburtstag plötzlich ans Tor des Miro-Heims klopfe. Niemand hat mit mir gerechnet. Vor allem nicht, weil es fast unmöglich war, das Kinderheim in Utange zu erreichen. Schwere Regenfälle haben die Straßen unpassierbar gemacht. Selbst mit dem Motorradtaxi kommt man im zum Teil hüfthohen Wasser auf der mit tiefen Schlaglöchern übersäten Straße kaum weiter.
Also wate ich die letzten Kilometer durch die Dreckbrühe und hoffe, weder plötzlich in einem Schlagloch zu versinken, noch auf eine Schlange zu treffen. Danke Klimawandel!

Diese Straße ging noch. Andernorts stand das Wasser bis zum Bauch.
Diese Straße ging noch. Andernorts stand das Wasser bis zum Bauch.

"Aaaaahja Nadine, it's Nadine", schallt es mir entgegen. Die Freude ist groß, die Kleinen hüpfen aufgeregt um mich herum.

Im Haus aber der Schock: es regnet rein. Im Zimmer der großen Mädchen tropft das Wasser durch die Decke. Der Putz löst sich. Rebecca, Sarah und Co müssen nun mit im Zimmer der jüngeren Mädchen schlafen. 12 Menschen in einem kleinen Raum, in dem zwei Stockbetten mit fünf Schlafgelegenheiten stehen. Kuschelig.
Als es tags drauf aufhört zu regnen, gehen wir aufs Dach. Dort hatte ein Handwerker zwar das marode Flachdach erneuert, aber zwischen den Schindeln des Schrägdachs klaffen große Lücken. Wir rücken die Schindeln in die offenen Stellen und hoffen, dass so beim nächsten Mal  alles trocken bleibt.

Blick aus dem Mädchenzimmer auf die Sumpflandschaft.
Blick aus dem Mädchenzimmer auf die Sumpflandschaft.

Die folgenden Tage scheint zum Glück die Sonne und die Überschwemmungen gehen zumindest auf den Straßen langsam zurück. Allerdings steht das Wasser rundherum in Tümpeln auf dem Nachbargrundstücken und bietet bei 31 Grad Hitze die perfekte Brutstätte für Moskitos. "Die Gefahr für Malaria und Dengue-Fieber steigt", warnt  Dr. Vera Fleig übers Telefon. Die  Ärztin hat mit mir vor neun Jahren  das Hilfsprojekt ins Leben gerufen, um die Kinder im Miro-Waisenhaus zu unterstützen.
Laut Weltgesundheitsorganisation starben allein 2017 weltweit rund 435.000 Menschen an Malaria. Auch das Dengue-Fieber kann potentiell tödlich sein. Prima, denke ich und schaue auf die grüne Glibbermasse, die sich Garten schimpft. 

Ohne Platz im Garten wird es eng werden beim großen Kindergeburtstag, den wir vorbereiten. Weil die meisten der 45 Miro-Kinder als Babys auf den Müll geworfen wurden oder in jungen Jahren ihre Eltern verloren haben, wissen wir nicht, wann genau sie geboren wurden. Deshalb feiern wir einmal im Jahr eine große Geburtstagsparty für alle zusammen. Zeitgleich ist es auch der Geburtstag des Miro-Heims, das Leiterin Josephine Mutisya vor nun zehn Jahren gegründet hat, um schutzbedürftigen Kindern ein Zuhause zu schenken. So wie den beiden Neuankömmlingen im Miro-Heim. Die Sechsjährige und ihr zweijähriger Bruder mussten mitansehen, wie ihr Vater ihrer Mutter die Kehle durchtrennt hat. Es sind unvorstellbare Dinge, die die meisten dieser Kinder durchleben mussten. Im Miro-Heim sollen sie diese Schrecken vergessen. 

Abby kriegt die Haare schön gemacht für die Geburtstagsparty.
Abby kriegt die Haare schön gemacht für die Geburtstagsparty.

"Deshalb ist es wichtig, ihnen einmal im Jahr ein großes Fest zu ermöglichen", erklärt Josephine. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Alle sind mega-aufgedreht. Die Mädchen bekommen die Haare bunt eingeflochten. Weil mir Condor wieder 20 zusätzliche Kilo Spendengepäck bewilligt hat und weil viele liebe  Spender aus Marburg - Biedenkopf und ganz Deutschland mir Schuhe zukommen ließen, kann sich jedes Kind mit einem neuen Paar eindecken. 

Die Freude ist riesig. Stolz präsentieren die Kids ihr Festtagsoutfit. 
Koch Felix schlachtet mit Hilfe der älteren Jungs zwei Ziegen. Freunde, Verwandte und Bekannte kommen, um das Festmahl vorzubereiten. Es gibt Reis mit Ziegenfleisch, Chapati (Fladenbrot), Weißkraut und Hühnchen. Wir schmücken das Haus mit bunten Ballons und Bändern.

Nach und nach trudeln mehr Gäste ein. Die Belegschaft eines Hotels schenkt fünf Kuchen. Fröhliche Musik dröhnt aus Boxen. Die Kinder beten, singen und klatschen und springen begeistert im Takt. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Ruhig wird es nur beim Essen, wenn sich alle den Bauch so voll schlagen wie möglich. Es erstaunt mich immer wieder, was in so einen kleinen Magen reinpasst. Aber Kinder, die gehungert haben, nutzen diese Chance zur Völlerei. Der einstudierte Song der älteren Kinder wird frenetisch gefeiert.  

Zum Schluss verteile ich die Geschenke. Vielen Dank an all die lieben Spender, die uns Spiele, Geometrie-Sets und vieles mehr zukommen ließen. MedEl hat jedem Kind einen Turnbeutel gesponsert. Zusätzlich hab ich jedem Kind noch Stifte und ein Buch besorgt,sodass jedes Kind in etwa die gleichen Sachen bekommt und sich nicht benachteiligt fühlt. Die Freude ist riesig. Vielen Dank an alle, die mit ihrer Unterstüzung zu diesem

Asante sana!

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Mo

03

Dez

2018

Todesangst


Update aus Kenia: Heute kein Kinderlachen, sondern Todesangst. Wir sind angegriffen worden. Zusammen mit unserem Koch Felix und den drei ältesten Jungs sind wir mit zwei Bodabodas, zwei Motorrad-Taxis zu unserem Land gefahren, das wir im Begriff sind zu kaufen.  Plötzlich kamen aus den Büschen Männer mit Stöcken, die uns anschrien und unseren Koch attackierten.
Die Jungs sind mit den fliehenden Motorradtaxis abgehauen. Ungefähr sechs, sieben Männer schlugen auf Felix ein und traten ihn. Mich haben sie nicht angerührt. Deshalb habe ich versucht, den stark am Kopf blutenden Felix so gut es ging, abzuschirmen und wegzuzerren. Wir sind dann um unser Leben gerannt und konnten schließlich entkommen. Felix hat zwei Platzwunden am Kopf erlitten und Prellungen. Er wurde im Krankenhaus versorgt und hat glücklicherweise keine schwereren Verletzungen davongetragen. Der Schock sitzt allerdings bei uns allen tief. Jetzt weiß auch ich, was posttraumatischer Stress ist.


Hintergrund: Seit zwei Jahren versuchen wir auf legalem Weg ein Grundstück zu erwerben, das wir ganz in der Nähe gefunden haben, nachdem wir praktisch in ganz Kenia gesucht haben.


Die Squatters haben an anderer Stelle in Utange eine Straße mit Steinen blockiert und Büsche angezündet.
Die Squatters haben an anderer Stelle in Utange eine Straße mit Steinen blockiert und Büsche angezündet.

Doch seit einiger Zeit hatten  sogenannte Squatters das Land besetzt. Laut unserem Anwalt eine gängige Masche vor allem an der Küste. Hier herrscht ein regelrechter Krieg um     Land. 'Sobald Kaufinteressenten Land besichtigen, besetzen Kriminelle die Grundstücke und behaupten, sie gehören ihnen, obwohl dem nicht so ist ", erklärt er. Ursachen dafür sind zum Teil ethnische Rivalitäten.
Vor einigen Tagen hat die Immobilienfirma mit Hilfe der Polizei, die Squatters vertrieben und gemeint, man könne nun anfangen eine Mauer zu bauen. Sie forderten das Geld für das Grundstück. Deshalb sind wir hingefahren, um zu dokumentieren, ob die Squatters unsere Grenzsteine herausgerissen haben. Denn wir haben das Land nur angezahlt. Dass dann so etwas passiert, damit hätte wirklich keiner gerechnet.
Es hat uns zwei Jahre gekostet, um das Land offiziell auf den deutschen Verein im Grundbuch eintragen zu lassen. Das Mietshaus, in dem wir leben, ist einfach zu klein und teuer. Immer wieder sind wir der Willkür unseres Vermieters ausgeliefert. Und nun wollen auch noch Landbesetzer das Land, das für ihre auf den Müll geworfenen, ausgesetzten, verwaisten Kinder bestimmt ist, mit Gewalt in ihren Besitz bringen. Das ist einfach unfassbar. Unfassbar für uns alle.

Dass Kenia ein gefährliches Land ist,  war mir ja bewusst. Erst letzte Woche ist eine Mitarbeiterin einer italienischen Hilfsorganisation ganz in der Nähe gekidnapt worden. Die Gangster stürmten die Einrichtung mit Maschinenpistolen und schossen um sich. Mehrere Menschen wurden verletzt. So etwas liest man. Wenn man die Gewalt dann aber hautnah miterlebt, dann hat das eine ganz neue Qualität.


Da frag ich mich zum ersten Mal, warum ich mir das alles antue. Und dann kommt so ein kleiner Knirps drei Tage nach dem Überfall zu mir und fragt mich, wann ich denn wieder "geheilt" sei. Er mag nicht mehr so traurig sehen. Er nimmt mich bei der Hand und lacht. Also zusammenreißen und weiter machen. Für eben solch ein Kinderlachen. 


Denn ohne unsere Unterstüzung hätten diese Kinder leider überhaupt keine Zukunft. Auch wenn die Sache mit dem Land Scheiße ist, müssen wir uns vor Augen halten, was wir alles geschafft haben. Letzte Woche auf unserem neunten Geburtstag haben wir mal hochgerechnet, wie vielen Kindern wir schon helfen konnten. Es waren mehr als 120: Babies, die nach der Geburt zum Sterben auf den Müll geworfen wurden. Kinder, deren Eltern gestorben sind, die sich jahrelang im Slum durchschlagen mussten. Sie alle haben nun ein Zuhause, sind gut versorgt. Erhalten eine gute Schulbildung. Dafür lohnt es sich weiterzukämpfen. 

Mi

21

Nov

2018

Das nächste Mal in Gummistiefeln

Ich hätte Gummistiefel anziehen sollen.
Sagt Rebecca und bricht in schallendes Gelächter aus.
So in meinen Flip Flops hätten sie mich ja sofort erkannt.
Meint die 12-Jährige.
Gut, bei meinem nächsten Überraschungsbesuch ignoriere ich die 30 Grad im Schatten und stecke meine Quanten in Gummistiefel....
Obwohl mich die 40 köpfige Rasselbande an meinen Kasefüßen erkannt hat, ist der Überraschungsbesuch dennoch geglückt. Im Chor rufen die Kinder meinen Namen. Die Freude ist riesengroß. Auf beiden Seiten.
Ich checke erstmal die Lage im Haus und bin erleichtert. Alles gut. Besser noch. Alle Babies sind gesund und munter. Vier Hausmütter und zwei Hausväter sind im Dienst. Das Haus ist sauber. Seitdem Vera und Stefan drei Monate lang alles auf Vordermann gebracht haben, ist es auch so geblieben. 'Wir haben schon ganz lange keine Ratte mehr', verkünden die Kinder stolz. Aufgrund einer illegalen Mülldeponie hinter dem Haus, kamen nachts Ratten ins Haus. Mit Kammerjäger, Schutzgittern an den Fenstern und dem
Verstauen der Lebensmittel in Container konnte das Miro-Team das Problem bekämpfen.

Die kommenden Tage steht alles im Zeichen der Geburtstagsvorbereitungen. Da die meisten der Kinder Waisen sind, ausgesetzt oder gar als Babys zum Sterben weggeworfen wurden, wissen wir nicht, wann sie Geburtstag haben. Deshalb feiern wir einmal im Jahr für alle ein großes Geburtstagsfest gemeinsam. Tagelang wird gekocht und vorbereitet. 'Nadine, Today we will slaughter the sheep. Aiiii... Yummy, I am so happy', erklärt mir Blessing und hüpft auf und nieder. Äh ja. Ich als Vegetarier freu mich jetzt nicht unbedingt darauf, dass das Schaf geschlachtet wird. Aber... T.I.A... This is Africa.  Uncle Ngala macht kurzen Prozess mit dem armen Schaf, hängt es am Baum auf und nimmt es fachmännisch auseinander.
Die Kinder stehen drum herum und bekommen eine Gratis-Stunde in Schafsanatomie. Die drei Volunteers aus Dänemark können kaum hinschauen. Ich habe die Hoffnung, dass Sie nach dieser Erfahrung auch Vegetarier werden wie ich.
   Gemeinsam schmücken wir das Haus. Die Kinder sind seit Tagen aus dem Häuschen. 'Of course, it is our special day', erklärt Joshua. Alle putzen sich heraus. Die neuen aus Deutschland mitgebrachten Schuhe sind super. Vielen Dank an alle, die sie uns gespendet haben.
Bis auf die vier größten Jungs haben alle passende gefunden, die zur großen Feier angezogen werden. Und dank einer tollen Geldspende kann ich auch den großen Jungs Schuhe kaufen. Wir gehen Schuhe shoppen. Die Jungs zum ersten Mal in ihrem Leben. Vom restlichen Geld können wir etwas ganz wichtiges besorgen. Stühle. Weil fast alle der Plastikstühle total kaputt sind , kaufen wir neue. 20 kleine und 10 große. Hurra, wir können beim essen wieder alle sitzen.


Dann ist der große Tag da. Wir feiern den neunten Geburtstag des Miro-Heims. Es wird ein total krasser Kindergeburtstag! Singen, Tanzen, Beten, Essen und lachen. Stundenlang. Ausgelassen.  Höhepunkt sind der Kuchen und die Geschenke. Für jeden gibt es einen Turnbeutel mit Süßigkeiten, Stiften, einem Buch, einer Trinkflasche für die Schule und Spiele. Die Kinder sind glücklich. 


Von ganzen Herzen ein großes Dankeschön an alle, die uns so geholfen haben, das möglich zu machen. Ihr seid die besten. 

Do

05

Apr

2018

Aufgeben gibt es nicht! Vera, ihr Mann Stefan und ihre Schwester Nadine kämpfen mit widrigen Umständen.

Nadine: Vera, Stefan, Ihr seid jetzt seit 6 Wochen in Kenia. Wie war Eure Ankunft?
Vera, Stefan:  Die Kinder haben sich wie immer riesig gefreut über unsere Besuche an den Nachmittagen im Heim. Drei Hausmütter, ein Askari (Sicherheitsmann), der Koch und eine Küchenhilfe haben sich gemeinsam mit Heimleiterin Josephine um 35 Kinder und sieben Babies gekümmert. Leider haben unsere beiden langjährigen Hausmütter Anfang des Jahres ihre Arbeit im Heim beendet, was sehr schade ist. Einer der Gründe ist sicherlich die zunehmende Arbeitsbelastung im Heim. Das Jugendamt bringt ohne die Zustimmung des deutschen Vereins immer weiter Babies und Kinder ins Heim. Die kenianische Heimleiterin lässt dies leider aus Mitleid geschehen. An sich haben wir immer gesagt, dass mehr als 30 bis maximal 35 Kinder nicht aufgenommen werden können, da das Haus für mehr Kinder einfach zu klein ist. Aber seit wir hier sind wurden nun noch 3 weitere Kinder gebracht, immer angeblich nur für wenige Tage bis Verwandte gefunden sind, aber nun sind es schon mehrere Wochen. Es leben also momentan 45 Kinder und 6 Hausangestellte auf engem Raum zusammen. Dadurch wird es immer schwieriger Ordnung und Hygiene einzuhalten. Ein Glück nur, dass die Kinder ab 3 Jahre unter der Woche in einen Ganztageskindergarten bzw. Ganztagesschule gehen.

 

Nadine: In welchem Zustand sind die Babies? 
Vera: Zwei der Babies sind stark unterernährt und wiegen nur ca. 2kg. Es war gut, dass meine Schwester einen ganzen Koffer voll hochwertigem Milchpulver für Säuglinge mitgebracht hat. Wir hoffen, dass sie dadurch an Gewicht zunehmen und stabil werden.
Nadine: Was gibt es sonst noch zu berichten?
Vera: Die schlechten Nachrichten gehen leider weiter. Vor drei Wochen waren plötzlich Ratten im Haus. Sie sind nachts von draußen durch die Fenster gekommen. Ein neuer Nachbar hat eine kleine Geflügelzucht und das lockt die Nager an. Das war schrecklich. Wir haben sofort für vierhundert Euro verschließbare Boxen gekauft, um die Essensvorräte sicher zu verstauen. Außerdem haben wir Frühjahrsputz gemacht und alles, wo die Ratten dran waren, verbrannt. Wir haben einen Kammerjäger kommen lassen, der Giftboxen ausgelegt hat. Und zwei Katzen haben wir auch gekauft.
Stefan: Ratten sind Überträger von zahlreichen Erkrankungen. Am bekanntesten ist sicher die Pestverbreitung über den Rattenfloh, aber auch andere gefährliche Krankheiten wie z.B. Salmonellosen,  die Hantavirusinfektion, Leptospirosen etc. werden von Ratten verbreitet. Wir versuchen dem Personal und auch den älteren Kindern zu erklären, wie wichtig die Bekämpfung der Plage ist und dass es wichtig ist, den Nagetieren alle Futterquellen im Haus zu entziehen. Wir haben die Lagerräume aufgeräumt und noch 2 zusätzliche große Schränke bauen lassen, um Kleiderspenden sicher zu verstauen. Desweiteren ist geplant, die Fenster engmaschig vergittern zu lassen, so dass die Ratten nicht mehr ins Haus kommen.

 

Nadine: Wie ist die Lage jetzt?
Vera: Etwas Besser. Der Kammerjäger kommt nun 1x pro Woche, um zu kontrollieren, dass auch wirklich keine Ratten mehr auftauchen.

 

 

Nadine: Aber du hörst dich trotzdem nicht gut an. Was ist los?
Vera: Die Hausmütter, die anfangs da waren, haben nach kurzer Zeit gekündigt oder fallen aufgrund von Krankheit länger aus. Wir haben alles versucht, um rasch geeignetes Personal zu finden. Es war letzte Woche eine wirklich verzweifelte Situation, weil es vor allem für die Versorgung der Babies ein Problem ist, wenn nur noch 1 Hausmutter da ist, um Josephine zu helfen. Zum Glück waren Schulferien, so dass unsere großen Mädels (15 und 17Jahre) fleißig mitgeholfen haben. Aber das sollte ja eigentlich niemals vorkommen.  Wir haben das Jugendamt Mombasa und Kisauni informiert und um Hilfe gebeten. Da bekommt man leider nur zu hören, dass viele Heime hier Probleme mit dem Personal haben. Josephine und wir haben uns im Bekanntenkreis, in der Kirchengemeinde und Schule umgehorcht und sogar eine Stellenanzeige verfasst. Zum Glück konnten wir innerhalb von wenigen Tagen 3 neue Hausmütter finden. Ziel ist es, dass wir deren Arbeitsbedingungen nun so verbessern, dass sie auch langfristig bleiben. Dafür müssen wir weiteres Personal einstellen und dafür sorgen, dass sie mehr freie Tage bekommen.
Letztlich versuchen wir  die Heimleiterin Josephine und das Jugendamt zu überzeugen, einige der Babies in Pflegefamilien zu vermitteln.
Bei allem Verständnis dafür, dass das Jugendamt zahlreiche Kinder zu vermitteln hat, muss trotzdem gewährleistet sein, dass alle Kinder im Heim gut versorgt sind. Das ist Help for MiRO den Kindern und auch den Spendern schuldig. Bei 45 Kindern ist nun die Schmerzgrenze in diesem angemieteten Haus allmählich wirklich erreicht- zumindest für jemanden aus Europa.
Nadine: Ihr seid ja aber vor allem wegen des Landkaufes nach Kenia geflogen. Wie steht es damit? 
Vera und Stefan: Leider auch nicht wie erhofft. Wir haben ja im letzten Jahr für den deutschen Verein 3 kleine Grundstücke als 999-Jahre Langzeitpacht erworben. Seitdem warten wir auf die offizielle Grundbucheintragung. Unser deutscher Verein hat nun zwei Grundstückstitel erhalten. Der dritte Kaufvertrag ist auf dem Landamt angeblich einfach verschwunden. Wir haben alles nochmal neu beantragen müssen für den auf so seltsame Weise verschwundenen Titel. Das dauert. Zusätzlich haben sich erneut Landbesetzer, sogenannte „Squatters“, auf unserem Land niedergelassen, die das Land unrechtmäßigerweise für sich proklamiert haben und versuchen es zu schnell verkaufen. Das sei an der Küste Kenias häufig, erklärt unser kenianischer Anwalt. Wenn Land, in einer beliebten Gegend unbebaut ist, dann tun „Squatters“ so, als würde es ihnen gehören, um es dann für 10% des eigentlichen Kaufpreises schnell zu verkaufen. Erst nach einem Gerichtsurteil und einer Polizeirazzia konnten diese Kriminellen vertrieben werden. Es ist alles furchtbar frustrierend. Wenn man hier legal Land kaufen will, werden einem nur Steine in den Weg gelegt. Das zehrt sehr an einem. Unser Verein wollte sichergehen, dass das Land auch eingetragen ist und einen Titel hat, um Probleme in Zukunft zu verhindern. Dass das aber dann ein jahrlanger Prozess wird, damit haben wir nicht gerechnet. Wir brauchen so dringend ein größeres Haus und nun verzögern die hiesigen Behörden den geplanten Baubeginn der Mauer.
Nadine: Das klingt echt frustrierend. Warum tut Ihr Euch das eigentlich alles an?
Vera: Weil wir diese Kinder lieben. Deshalb machen wir weiter.
Nadine: Was wünscht Ihr Euch?
Vera und Stefan: Dass wir in den nächsten Wochen das neue Personal gut einarbeiten können und die neuen Hausmütter den MiRO Kindern die Zuwendung und Liebe geben, die sie verdient haben.

Wir hoffen, dass unsere Spender den Kindern treu bleiben und dass wir das Heim weiterhin mit mindestens 3000 Euro monatlich unterstützen können und parallel  die Spenden für das Haus zusammen bekommen. Hoffentlich schaffen wir es, noch während den verbleibenden Wochen hier, den Beginn des Mauerbaus mitzuerleben.

Sa

02

Dez

2017

Ein Geburtstag für 40 Kinder

Eigentlich müsste sie tot sein. 
Als Bahati ins MiRO Heim gebracht wurde, wog das kleine Baby gerade einmal 1,1 Kilo. 
“Ich habe geweint, als ich sie gesehen habe“ , erinnert sich MiRO- Heimleiterin Josephine Mutisya. 
Zwei Wochen ist das jetzt her. Seitdem kämpfen Josephine und die Hausmütter jeden Tag um das Leben des Babys, das von seiner Mutter einfach kurz nach der Geburt in einem Krankenhaus zurückgelassen wurde. Noch immer hat das Baby spindeldürre Ärmchen und ein ausgemergeltes Gesichtchen. Ich traue mich kaum, das winzige Häufchen Mensch anzufassen, aus Angst, ich könnte mit einer einzig falschen Bewegung ihr kurzes Leben auslöschen. Doch Josephine ist guter Dinge. Sie glaubt fest daran, dass sie das Baby durchbringen werden. Deshalb haben sie es Bahati getauft. Es bedeutet Glück auf Suaheli.
Ich schaue  mich im Babyzimmer um. Sonnenstrahlen fallen auf die  dicken Gesichter von Elijah und Pendo. Der vier Monate alte Junge und das fünf Monate alte Mädchen waren in kaum einem besseren Zustand als Bahati, als sie vom Jugendamt ins MiRO gebracht wurden. Heute sind beide wohlgenährt. Das kostet viel Geld. Säuglingsnahrung ist unheimlich teuer. Deshalb lehnen die meisten Waisenäuser Babys ab. Doch ich kann MiRO-Heimleiterin Josephine verstehen, auch ich könnte so einem armseligen Würmchen nicht einfach die Chance auf Leben verweigern. 
In den acht Jahren, in denen das Heim vornehmlich aus Deutschland unterstützt wird, konnte insgesamt mehr als 100 Kindern geholfen werden. Viele dieser Kinder wurden als Babys ausgesetzt. Manche zum Sterben auf den Müll geworfen. Andere haben ihre Eltern verloren, haben gehungert oder wurden missbraucht. “Manche Babys bleiben nur ein paar Monate zum Aufpeppeln, bis sie in Pflegefamilien untergebracht werden“, erklärt Josephine. 
3000 Euro überweist der in Marburg ansässige Verein monatlich ans MiRO-Heim. Mindestens zwei Mal im Jahr überprüfen Dr. Vera Fleig, ihr Mann Dr. Stefan Blaser und ich den Einsatz der Spendengelder. Davon wird eine medizinische Versorgung sowie die ausgewogene Ernährung garantiert, die Schule, die Miete für das Haus, der Koch und die Hausmütter bezahlt. Momentan leben 40 Kinder im Heim. Bahati, Pendo, Seth, Elijah und Gift sind unter einem Jahr alt. Weil man von den meisten das Geburtsdatum nicht kennt, feiert das MiRO-Kinderheim ein Mal im Jahr ein gemeinsames Geburtstagsfest.   

 Seit Wochen freuen sich die Kinder auf diesen..ihren...Tag. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Der Koch bereitet mit Hilfe der Hausmütter Reis, Chapati (würzige Pfannkuchen), Pilau (Gemüseintopf) und zur Feier des Tages auch Fleisch vor. Die großen Kinder helfen fleißig mit. Gemeinsam sitzen sie im Schatten hinter dem Haus und waschen Tomaten und zupfen Salat. Es dauert ewig. Bei 35 Grad im Schatten geht eben alles etwas langsamer. 

“Es wird aber eine kleine Party, viele Freunde von uns sind aufgrund der politischen Lage nicht an der Küste“, erklärt Josephine und blättert besorgt in der Tageszeitung “Daily Nation“.  Aufgrund der Präsidentschaftswahl kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Oppositionsanhängern und der Polizei. Mehr als 60 Menschen kamen bei Straßenschlachten ums Leben.  Momentan ist in der Küstenstadt Mombasa trügerische Ruhe eingekehrt. Doch glaubt man politischen Beobachtern wird es in dem tief gespaltenen Land weiterhin zu Spannungen kommen.
 Ein anderer Grund, warum die Geburtstagsparty der MiRO-Kinder klein wird, sind die Windpocken. Fast alle Jungen und Mädchen hatten oder haben mit der hoch ansteckenden Kinderkrankheit zu kämpfen. Vor allem für meine Schwester Johanna ist das eine beschissene Nachricht. Da sie als Kind keine Windpocken hatte, ist sie dazu verdammt, den Kindern fern zu bleiben. “Da ich extra für den Geburtstag nach Kenia geflogen bin, ist das echt übel“, sagt sie traurig. 
Dank Johanna, meiner Mutter Marita und meiner Freundin Miriam konnten wir insgesamt 80 Kilogramm an Spenden mitnehmen. Freunde, Verwandte und Bekannte haben seit Monaten Stifte, Rucksäcke, Federmäppchen und Schuhe bei uns abgegeben, die nun in fünf vollgepackten Koffern im kleinen, mit Luftballons und bemalten Wimpeln geschmückten Garten des MiRO-Heims liegen. Zuerst werden die Schuhe ausgepackt. “Oiiijooo das sind tolle Schuhe“, ruft die achtjährige Blessing und klatscht in die Hände.Geduldig probieren die Jungen und Mädchen so lange Schuhe an, bis alle ein passendes Paar haben.
Nach dem Festmahl geht's Auspacken weiter: “Jay...wow!!!“ Erfreute Rufe begleiten mein Öffnen der Koffer. Für jedes Kind haben wir einen passenden Rucksack samt mit Stiften, Radiergummis, Linealen und Spitzern gefüllten Federmäppchen vorbereitet. Die Kinder strahlen übers ganze Gesicht. “Wonderful, wonderful, wonderful“, ruft Blessing und hüpft mit Abby um die Wette.  Den gesamten Abend sind die Kinder damit beschäftigt sich lauthals lachend ihre Geschenke zu zeigen. 

 

 

Deshalb noch einmal: Von Herzen vielen Dank an alle für diese tollen Geschenke! ASANTE SANA!!!
Eure Nadine!

Hier die Bildergalerie :)

So

30

Jul

2017

Von Hamsterkäufen vor den Wahlen, vier neuen Babies und vom langersehnten Landkauf

 

von Vera Fleig

 

Am 8.August wird in Kenia eine neue Regierung gewählt. Die Bevölkerung ist jetzt schon in heller Aufregung. Es wird befürchtet, dass es wie bereits bei vergangenen Wahlen wieder Unruhen geben wird.
Kurz vor den Wahlen reisen mein Mann Stefan und ich Mitte Juli nochmals nach Kenia und besuchen in unserem Sommerurlaub das Kinderheim.
Bei der Vereinssitzung von Help for MiRO im Juni 2017 hatten die Mitglieder einstimmig beschlossen, dass wir die Heimleiterin vor Ort mit Lebensmittelspenden unterstützen sollen. Aufgrund der anhaltenden Lebensmittelkrise in ganz Ostafrika und den nun bevorstehenden Wahlen, bei denen erwartet wird, dass die Geschäfte für Wochen geschlossen bleiben, sind wir zu Hamsterkäufen losgezogen. Zwar überweist Help for MiRO  3000 Euro pro Monat zur Finanzierung des Heims, doch aufgrund der momentanen Lebensmittelknappheit, den stark steigenden Lebensmittelpreisen und der Angst vor den Wahlen wollten wir alle auf Nummer sicher gehen.
Daher haben wir die Speisekammer mit u.a. 250kg Reis, 50l Öl, 50kg Zucker, 20kg Nudeln etc. aufgefüllt.
Während der Wahlen bleiben die Schulen und Ämter geschlossen, bis sich die neue Regierung gebildet hat. Viele Geschäfte machen wochenlang zu und auch die Trinkwasser-und Stromversorgung seien häufig unterbrochen. Es herrscht große Unsicherheit im ganzen Land.
Help for MiRO kauft daher einen Stromgenerator sowie 2 zusätzliche 2500l Wassertanks, die vor den Wahlen mit Trinkwasser aufgefüllt werden.
Gute Vorbereitung ist wichtig, denn im Kinderheim leben momentan 38 Kinder. Am 18.Juli wurde während unserer Zeit vor Ort vom Jugendamt ein erst 2 Tage alter Säugling ins Heim gebracht. Der Junge wurde im Krankenhaus geboren und dann von seiner Mutter aus unbekannten Gründen zurückgelassen. Wahrscheinlich, weil sie ihrem Baby als Teenagermama keine Zukunft schenken kann. Die Hausmütter haben nun alle Hände voll zu tun, denn es leben momentan 4 Kinder unter 6 Monaten im Heim.
Immer wieder werden Säuglinge auf dem Müll ausgesetzt, im Krankenhaus zurückgelassen oder die Mutter verstirbt bei der Geburt. Viele Kinderheime lehnen die Aufnahme von so kleinen Kindern ab, da die Versorgung schwierig und teuer ist. Das Babymilchpulver gibt es nur in der Stadt zu kaufen und das ist sehr teuer. Die medizinische Versorgung von Säuglingen, die in den Tropen häufig an Infektionskrankheiten leiden, ist ebenfalls sehr teuer und aufwendig.
Im MiRO-Heim finden diese Babies einen Zufluchtsort. Die Heimleiterin versucht  gemeinsam mit den Hausmüttern, die Säuglinge aufzupeppeln. Nachdem die kritischsten ersten 6 Monate dann überstanden sind, wird versucht eine passende kenianische Pflegefamilie zu finden. So konnte vor kurzem die kleine Gabriela bei einer kinderlosen, kenianischen Lehrerfamilie ein wundervolles zuhause finden.
Nicht alle Kinder haben dieses Glück. Gerade behinderte Kinder, Kinder mit Tuberkulose oder anderen Infektionskrankheiten sind in Kenia kaum vermittelbar. Sie  werden voraussichtlich im MiRO-Heim ein dauerhaftes zuhause finden.

Da die MiRO Familie weiter wächst und die Kinder größer werden, ist die Hoffnung und Sehnsucht nach einem eigenen Haus mit mehr Platz größer als je zuvor. Dank einer für den Landkauf zweckgebundenen Großspende von einem deutschen Ehepaar rückt dieser Traum vom eigenen Land nun in greifbare Nähe. Nur 10 min zu Fuß vom jetzigen Mietshaus entfernt haben wir bei einem unserer letzten Aufenthalte ein kleines Grundstück entdeckt, das zum Verkauf steht. Ein Grundstück, auf dem problemlos Wasser- und Strom angeschlossen werden kann und das bereits jetzt von den Kindern als Spielplatz und Garten genutzt werden kann. Vor Ort haben wir im Namen von Help for MiRO e.V. nun alles juristisch notwendige organisiert, um dieses Land für die Kinder zu kaufen. Wir hoffen, dass die Wahlen ruhig verlaufen. Und dass Help for MiRO nach den Wahlen endlich den notwendigen Grundbucheintrag (title deed) erhält und dank hoffentlich vieler, vieler Spenden mit dem Bau eines eigenen Hauses für die Kinder beginnen kann. 

 

Sa

19

Dez

2020

Frohe Weihnachten und ein besseres neues Jahr

Liebe Freunde des MiRo-Heims,

Die Kleinsten des MiRO haben im März Masken geschenkt bekommen, die sie aber nur kurz fürs Foto aufgezogen haben ;)
Die Kleinsten des MiRO haben im März Masken geschenkt bekommen, die sie aber nur kurz fürs Foto aufgezogen haben ;)

 Ein hartes Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Die Corona-Pandemie hat die Welt aus den Angeln gehoben. Auch unsere.

    Zum ersten Mal in zehn Jahren konnten weder Dr. Vera Fleig und Dr. Stefan Blaser, noch ich zu unserem Kinderhilfsprojekt fliegen und uns vor Ort davon überzeugen, wie es den Kindern geht.

 

Obwohl uns das unheimlich traurig gemacht hat, waren wir doch froh, über Telefon, Skype  oder WhatsApp Kontakt zu halten. Regelmäßig haben wir mit Heimleiterin Josephine und den Kindern schreiben oder sprechen können und waren so immer auf dem Laufenden.

 

Nadine sieht Josephine und die Kinder - und umgekehrt. Dank Facetime halten wir mit Josephine und den Kindern Kontakt.
Nadine sieht Josephine und die Kinder - und umgekehrt. Dank Facetime halten wir mit Josephine und den Kindern Kontakt.

 Die Corona-Pandemie hat Kenia hart getroffen. "Das Virus hat uns große Angst gemacht", sagt Heimleiterin Josephine. 

 Bereits im März ist das Land in einen strengen Lockdown gegangen. Die Schulen haben geschlossen und auch die MiRO-Kinder mussten von nun an von Zuhause lernen. Dafür musste aber erst einmal Equipment angeschafft werden.

Deshalb hat unser Verein Radios und Laptops gekauft. Die kleineren Kinder wurden von den Lehrern über spezielle Rundfunkprogramme Mithilfe des Radios unterrichtet. Die Älteren konnten Dank der Laptops am digitalen Unterricht ihrer Schule teilnehmen.

 

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Di

19

Nov

2019

Danke an alle!

Die kleine Auwa ist momentan der Sonnenschein.
Die kleine Auwa ist momentan der Sonnenschein.

Ja, ok. Es war schon ein bisschen gemein von mir, bei unserem Telefonat vor 2 Wochen zu sagen, ich wüsste noch nicht, ob ich zum Geburtstag da sein könnte. Aber so ist wenigstens die Überraschung groß, als ich fünf Tage vor dem Geburtstag plötzlich ans Tor des Miro-Heims klopfe. Niemand hat mit mir gerechnet. Vor allem nicht, weil es fast unmöglich war, das Kinderheim in Utange zu erreichen. Schwere Regenfälle haben die Straßen unpassierbar gemacht. Selbst mit dem Motorradtaxi kommt man im zum Teil hüfthohen Wasser auf der mit tiefen Schlaglöchern übersäten Straße kaum weiter.
Also wate ich die letzten Kilometer durch die Dreckbrühe und hoffe, weder plötzlich in einem Schlagloch zu versinken, noch auf eine Schlange zu treffen. Danke Klimawandel!

Diese Straße ging noch. Andernorts stand das Wasser bis zum Bauch.
Diese Straße ging noch. Andernorts stand das Wasser bis zum Bauch.

"Aaaaahja Nadine, it's Nadine", schallt es mir entgegen. Die Freude ist groß, die Kleinen hüpfen aufgeregt um mich herum.

Im Haus aber der Schock: es regnet rein. Im Zimmer der großen Mädchen tropft das Wasser durch die Decke. Der Putz löst sich. Rebecca, Sarah und Co müssen nun mit im Zimmer der jüngeren Mädchen schlafen. 12 Menschen in einem kleinen Raum, in dem zwei Stockbetten mit fünf Schlafgelegenheiten stehen. Kuschelig.
Als es tags drauf aufhört zu regnen, gehen wir aufs Dach. Dort hatte ein Handwerker zwar das marode Flachdach erneuert, aber zwischen den Schindeln des Schrägdachs klaffen große Lücken. Wir rücken die Schindeln in die offenen Stellen und hoffen, dass so beim nächsten Mal  alles trocken bleibt.

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Mo

03

Dez

2018

Todesangst


Update aus Kenia: Heute kein Kinderlachen, sondern Todesangst. Wir sind angegriffen worden. Zusammen mit unserem Koch Felix und den drei ältesten Jungs sind wir mit zwei Bodabodas, zwei Motorrad-Taxis zu unserem Land gefahren, das wir im Begriff sind zu kaufen.  Plötzlich kamen aus den Büschen Männer mit Stöcken, die uns anschrien und unseren Koch attackierten.
Die Jungs sind mit den fliehenden Motorradtaxis abgehauen. Ungefähr sechs, sieben Männer schlugen auf Felix ein und traten ihn. Mich haben sie nicht angerührt. Deshalb habe ich versucht, den stark am Kopf blutenden Felix so gut es ging, abzuschirmen und wegzuzerren. Wir sind dann um unser Leben gerannt und konnten schließlich entkommen. Felix hat zwei Platzwunden am Kopf erlitten und Prellungen. Er wurde im Krankenhaus versorgt und hat glücklicherweise keine schwereren Verletzungen davongetragen. Der Schock sitzt allerdings bei uns allen tief. Jetzt weiß auch ich, was posttraumatischer Stress ist.


Hintergrund: Seit zwei Jahren versuchen wir auf legalem Weg ein Grundstück zu erwerben, das wir ganz in der Nähe gefunden haben, nachdem wir praktisch in ganz Kenia gesucht haben.


Die Squatters haben an anderer Stelle in Utange eine Straße mit Steinen blockiert und Büsche angezündet.
Die Squatters haben an anderer Stelle in Utange eine Straße mit Steinen blockiert und Büsche angezündet.

Doch seit einiger Zeit hatten  sogenannte Squatters das Land besetzt. Laut unserem Anwalt eine gängige Masche vor allem an der Küste. Hier herrscht ein regelrechter Krieg um     Land. 'Sobald Kaufinteressenten Land besichtigen, besetzen Kriminelle die Grundstücke und behaupten, sie gehören ihnen, obwohl dem nicht so ist ", erklärt er. Ursachen dafür sind zum Teil ethnische Rivalitäten.
Vor einigen Tagen hat die Immobilienfirma mit Hilfe der Polizei, die Squatters vertrieben und gemeint, man könne nun anfangen eine Mauer zu bauen. Sie forderten das Geld für das Grundstück. Deshalb sind wir hingefahren, um zu dokumentieren, ob die Squatters unsere Grenzsteine herausgerissen haben. Denn wir haben das Land nur angezahlt. Dass dann so etwas passiert, damit hätte wirklich keiner gerechnet.
Es hat uns zwei Jahre gekostet, um das Land offiziell auf den deutschen Verein im Grundbuch eintragen zu lassen. Das Mietshaus, in dem wir leben, ist einfach zu klein und teuer. Immer wieder sind wir der Willkür unseres Vermieters ausgeliefert. Und nun wollen auch noch Landbesetzer das Land, das für ihre auf den Müll geworfenen, ausgesetzten, verwaisten Kinder bestimmt ist, mit Gewalt in ihren Besitz bringen. Das ist einfach unfassbar. Unfassbar für uns alle.

Dass Kenia ein gefährliches Land ist,  war mir ja bewusst. Erst letzte Woche ist eine Mitarbeiterin einer italienischen Hilfsorganisation ganz in der Nähe gekidnapt worden. Die Gangster stürmten die Einrichtung mit Maschinenpistolen und schossen um sich. Mehrere Menschen wurden verletzt. So etwas liest man. Wenn man die Gewalt dann aber hautnah miterlebt, dann hat das eine ganz neue Qualität.


Da frag ich mich zum ersten Mal, warum ich mir das alles antue. Und dann kommt so ein kleiner Knirps drei Tage nach dem Überfall zu mir und fragt mich, wann ich denn wieder "geheilt" sei. Er mag nicht mehr so traurig sehen. Er nimmt mich bei der Hand und lacht. Also zusammenreißen und weiter machen. Für eben solch ein Kinderlachen. 


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Mi

21

Nov

2018

Das nächste Mal in Gummistiefeln

Ich hätte Gummistiefel anziehen sollen.
Sagt Rebecca und bricht in schallendes Gelächter aus.
So in meinen Flip Flops hätten sie mich ja sofort erkannt.
Meint die 12-Jährige.
Gut, bei meinem nächsten Überraschungsbesuch ignoriere ich die 30 Grad im Schatten und stecke meine Quanten in Gummistiefel....
Obwohl mich die 40 köpfige Rasselbande an meinen Kasefüßen erkannt hat, ist der Überraschungsbesuch dennoch geglückt. Im Chor rufen die Kinder meinen Namen. Die Freude ist riesengroß. Auf beiden Seiten.
Ich checke erstmal die Lage im Haus und bin erleichtert. Alles gut. Besser noch. Alle Babies sind gesund und munter. Vier Hausmütter und zwei Hausväter sind im Dienst. Das Haus ist sauber. Seitdem Vera und Stefan drei Monate lang alles auf Vordermann gebracht haben, ist es auch so geblieben. 'Wir haben schon ganz lange keine Ratte mehr', verkünden die Kinder stolz. Aufgrund einer illegalen Mülldeponie hinter dem Haus, kamen nachts Ratten ins Haus. Mit Kammerjäger, Schutzgittern an den Fenstern und dem
Verstauen der Lebensmittel in Container konnte das Miro-Team das Problem bekämpfen.

Die kommenden Tage steht alles im Zeichen der Geburtstagsvorbereitungen. Da die meisten der Kinder Waisen sind, ausgesetzt oder gar als Babys zum Sterben weggeworfen wurden, wissen wir nicht, wann sie Geburtstag haben. Deshalb feiern wir einmal im Jahr für alle ein großes Geburtstagsfest gemeinsam. Tagelang wird gekocht und vorbereitet. 'Nadine, Today we will slaughter the sheep. Aiiii... Yummy, I am so happy', erklärt mir Blessing und hüpft auf und nieder. Äh ja. Ich als Vegetarier freu mich jetzt nicht unbedingt darauf, dass das Schaf geschlachtet wird. Aber... T.I.A... This is Africa.  Uncle Ngala macht kurzen Prozess mit dem armen Schaf, hängt es am Baum auf und nimmt es fachmännisch auseinander.
Die Kinder stehen drum herum und bekommen eine Gratis-Stunde in Schafsanatomie. Die drei Volunteers aus Dänemark können kaum hinschauen. Ich habe die Hoffnung, dass Sie nach dieser Erfahrung auch Vegetarier werden wie ich.
   Gemeinsam schmücken wir das Haus. Die Kinder sind seit Tagen aus dem Häuschen. 'Of course, it is our special day', erklärt Joshua. Alle putzen sich heraus. Die neuen aus Deutschland mitgebrachten Schuhe sind super. Vielen Dank an alle, die sie uns gespendet haben.
Bis auf die vier größten Jungs haben alle passende gefunden, die zur großen Feier angezogen werden. Und dank einer tollen Geldspende kann ich auch den großen Jungs Schuhe kaufen. Wir gehen Schuhe shoppen. Die Jungs zum ersten Mal in ihrem Leben. Vom restlichen Geld können wir etwas ganz wichtiges besorgen. Stühle. Weil fast alle der Plastikstühle total kaputt sind , kaufen wir neue. 20 kleine und 10 große. Hurra, wir können beim essen wieder alle sitzen.


Dann ist der große Tag da. Wir feiern den neunten Geburtstag des Miro-Heims. Es wird ein total krasser Kindergeburtstag! Singen, Tanzen, Beten, Essen und lachen. Stundenlang. Ausgelassen.  Höhepunkt sind der Kuchen und die Geschenke. Für jeden gibt es einen Turnbeutel mit Süßigkeiten, Stiften, einem Buch, einer Trinkflasche für die Schule und Spiele. Die Kinder sind glücklich. 


Von ganzen Herzen ein großes Dankeschön an alle, die uns so geholfen haben, das möglich zu machen. Ihr seid die besten. 

Do

05

Apr

2018

Aufgeben gibt es nicht! Vera, ihr Mann Stefan und ihre Schwester Nadine kämpfen mit widrigen Umständen.

Nadine: Vera, Stefan, Ihr seid jetzt seit 6 Wochen in Kenia. Wie war Eure Ankunft?
Vera, Stefan:  Die Kinder haben sich wie immer riesig gefreut über unsere Besuche an den Nachmittagen im Heim. Drei Hausmütter, ein Askari (Sicherheitsmann), der Koch und eine Küchenhilfe haben sich gemeinsam mit Heimleiterin Josephine um 35 Kinder und sieben Babies gekümmert. Leider haben unsere beiden langjährigen Hausmütter Anfang des Jahres ihre Arbeit im Heim beendet, was sehr schade ist. Einer der Gründe ist sicherlich die zunehmende Arbeitsbelastung im Heim. Das Jugendamt bringt ohne die Zustimmung des deutschen Vereins immer weiter Babies und Kinder ins Heim. Die kenianische Heimleiterin lässt dies leider aus Mitleid geschehen. An sich haben wir immer gesagt, dass mehr als 30 bis maximal 35 Kinder nicht aufgenommen werden können, da das Haus für mehr Kinder einfach zu klein ist. Aber seit wir hier sind wurden nun noch 3 weitere Kinder gebracht, immer angeblich nur für wenige Tage bis Verwandte gefunden sind, aber nun sind es schon mehrere Wochen. Es leben also momentan 45 Kinder und 6 Hausangestellte auf engem Raum zusammen. Dadurch wird es immer schwieriger Ordnung und Hygiene einzuhalten. Ein Glück nur, dass die Kinder ab 3 Jahre unter der Woche in einen Ganztageskindergarten bzw. Ganztagesschule gehen.

 

Nadine: In welchem Zustand sind die Babies? 
Vera: Zwei der Babies sind stark unterernährt und wiegen nur ca. 2kg. Es war gut, dass meine Schwester einen ganzen Koffer voll hochwertigem Milchpulver für Säuglinge mitgebracht hat. Wir hoffen, dass sie dadurch an Gewicht zunehmen und stabil werden.
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Sa

02

Dez

2017

Ein Geburtstag für 40 Kinder

Eigentlich müsste sie tot sein. 
Als Bahati ins MiRO Heim gebracht wurde, wog das kleine Baby gerade einmal 1,1 Kilo. 
“Ich habe geweint, als ich sie gesehen habe“ , erinnert sich MiRO- Heimleiterin Josephine Mutisya. 
Zwei Wochen ist das jetzt her. Seitdem kämpfen Josephine und die Hausmütter jeden Tag um das Leben des Babys, das von seiner Mutter einfach kurz nach der Geburt in einem Krankenhaus zurückgelassen wurde. Noch immer hat das Baby spindeldürre Ärmchen und ein ausgemergeltes Gesichtchen. Ich traue mich kaum, das winzige Häufchen Mensch anzufassen, aus Angst, ich könnte mit einer einzig falschen Bewegung ihr kurzes Leben auslöschen. Doch Josephine ist guter Dinge. Sie glaubt fest daran, dass sie das Baby durchbringen werden. Deshalb haben sie es Bahati getauft. Es bedeutet Glück auf Suaheli.
Ich schaue  mich im Babyzimmer um. Sonnenstrahlen fallen auf die  dicken Gesichter von Elijah und Pendo. Der vier Monate alte Junge und das fünf Monate alte Mädchen waren in kaum einem besseren Zustand als Bahati, als sie vom Jugendamt ins MiRO gebracht wurden. Heute sind beide wohlgenährt. Das kostet viel Geld. Säuglingsnahrung ist unheimlich teuer. Deshalb lehnen die meisten Waisenäuser Babys ab. Doch ich kann MiRO-Heimleiterin Josephine verstehen, auch ich könnte so einem armseligen Würmchen nicht einfach die Chance auf Leben verweigern. 
In den acht Jahren, in denen das Heim vornehmlich aus Deutschland unterstützt wird, konnte insgesamt mehr als 100 Kindern geholfen werden. Viele dieser Kinder wurden als Babys ausgesetzt. Manche zum Sterben auf den Müll geworfen. Andere haben ihre Eltern verloren, haben gehungert oder wurden missbraucht. “Manche Babys bleiben nur ein paar Monate zum Aufpeppeln, bis sie in Pflegefamilien untergebracht werden“, erklärt Josephine. 
3000 Euro überweist der in Marburg ansässige Verein monatlich ans MiRO-Heim. Mindestens zwei Mal im Jahr überprüfen Dr. Vera Fleig, ihr Mann Dr. Stefan Blaser und ich den Einsatz der Spendengelder. Davon wird eine medizinische Versorgung sowie die ausgewogene Ernährung garantiert, die Schule, die Miete für das Haus, der Koch und die Hausmütter bezahlt. Momentan leben 40 Kinder im Heim. Bahati, Pendo, Seth, Elijah und Gift sind unter einem Jahr alt. Weil man von den meisten das Geburtsdatum nicht kennt, feiert das MiRO-Kinderheim ein Mal im Jahr ein gemeinsames Geburtstagsfest.   
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So

30

Jul

2017

Von Hamsterkäufen vor den Wahlen, vier neuen Babies und vom langersehnten Landkauf

 

von Vera Fleig

 

Am 8.August wird in Kenia eine neue Regierung gewählt. Die Bevölkerung ist jetzt schon in heller Aufregung. Es wird befürchtet, dass es wie bereits bei vergangenen Wahlen wieder Unruhen geben wird.
Kurz vor den Wahlen reisen mein Mann Stefan und ich Mitte Juli nochmals nach Kenia und besuchen in unserem Sommerurlaub das Kinderheim.
Bei der Vereinssitzung von Help for MiRO im Juni 2017 hatten die Mitglieder einstimmig beschlossen, dass wir die Heimleiterin vor Ort mit Lebensmittelspenden unterstützen sollen. Aufgrund der anhaltenden Lebensmittelkrise in ganz Ostafrika und den nun bevorstehenden Wahlen, bei denen erwartet wird, dass die Geschäfte für Wochen geschlossen bleiben, sind wir zu Hamsterkäufen losgezogen. Zwar überweist Help for MiRO  3000 Euro pro Monat zur Finanzierung des Heims, doch aufgrund der momentanen Lebensmittelknappheit, den stark steigenden Lebensmittelpreisen und der Angst vor den Wahlen wollten wir alle auf Nummer sicher gehen.
Daher haben wir die Speisekammer mit u.a. 250kg Reis, 50l Öl, 50kg Zucker, 20kg Nudeln etc. aufgefüllt.
Während der Wahlen bleiben die Schulen und Ämter geschlossen, bis sich die neue Regierung gebildet hat. Viele Geschäfte machen wochenlang zu und auch die Trinkwasser-und Stromversorgung seien häufig unterbrochen. Es herrscht große Unsicherheit im ganzen Land.
Help for MiRO kauft daher einen Stromgenerator sowie 2 zusätzliche 2500l Wassertanks, die vor den Wahlen mit Trinkwasser aufgefüllt werden.
Gute Vorbereitung ist wichtig, denn im Kinderheim leben momentan 38 Kinder. Am 18.Juli wurde während unserer Zeit vor Ort vom Jugendamt ein erst 2 Tage alter Säugling ins Heim gebracht. Der Junge wurde im Krankenhaus geboren und dann von seiner Mutter aus unbekannten Gründen zurückgelassen. Wahrscheinlich, weil sie ihrem Baby als Teenagermama keine Zukunft schenken kann. Die Hausmütter haben nun alle Hände voll zu tun, denn es leben momentan 4 Kinder unter 6 Monaten im Heim.
Immer wieder werden Säuglinge auf dem Müll ausgesetzt, im Krankenhaus zurückgelassen oder die Mutter verstirbt bei der Geburt. Viele Kinderheime lehnen die Aufnahme von so kleinen Kindern ab, da die Versorgung schwierig und teuer ist. Das Babymilchpulver gibt es nur in der Stadt zu kaufen und das ist sehr teuer. Die medizinische Versorgung von Säuglingen, die in den Tropen häufig an Infektionskrankheiten leiden, ist ebenfalls sehr teuer und aufwendig.
Im MiRO-Heim finden diese Babies einen Zufluchtsort. Die Heimleiterin versucht  gemeinsam mit den Hausmüttern, die Säuglinge aufzupeppeln. Nachdem die kritischsten ersten 6 Monate dann überstanden sind, wird versucht eine passende kenianische Pflegefamilie zu finden. So konnte vor kurzem die kleine Gabriela bei einer kinderlosen, kenianischen Lehrerfamilie ein wundervolles zuhause finden.
Nicht alle Kinder haben dieses Glück. Gerade behinderte Kinder, Kinder mit Tuberkulose oder anderen Infektionskrankheiten sind in Kenia kaum vermittelbar. Sie  werden voraussichtlich im MiRO-Heim ein dauerhaftes zuhause finden.

Da die MiRO Familie weiter wächst und die Kinder größer werden, ist die Hoffnung und Sehnsucht nach einem eigenen Haus mit mehr Platz größer als je zuvor. Dank einer für den Landkauf zweckgebundenen Großspende von einem deutschen Ehepaar rückt dieser Traum vom eigenen Land nun in greifbare Nähe. Nur 10 min zu Fuß vom jetzigen Mietshaus entfernt haben wir bei einem unserer letzten Aufenthalte ein kleines Grundstück entdeckt, das zum Verkauf steht. Ein Grundstück, auf dem problemlos Wasser- und Strom angeschlossen werden kann und das bereits jetzt von den Kindern als Spielplatz und Garten genutzt werden kann. Vor Ort haben wir im Namen von Help for MiRO e.V. nun alles juristisch notwendige organisiert, um dieses Land für die Kinder zu kaufen. Wir hoffen, dass die Wahlen ruhig verlaufen. Und dass Help for MiRO nach den Wahlen endlich den notwendigen Grundbucheintrag (title deed) erhält und dank hoffentlich vieler, vieler Spenden mit dem Bau eines eigenen Hauses für die Kinder beginnen kann. 

 

November 2014                                                            Fünfter Geburtstag des MiRO Heim -                                  und eine Fest für 38 Kinder!

Hier ein paar Eindrücke in Bilderform:

Juni 2013

Zwei Kinderrollstühle auf dem Weg von Ulm nach Mombasa

Dank der großzügigen Spende der Firma Sorg Rollstuhltechnik und der Mithilfe von Firma Häussler in Ulm konnten wir im Juni zwei Kinderrollstühle nach Mombasa mitnehmen.

 

Bei ihrer letzten Reise nach Kenia hat Nadine den 5-jährigen Samuel kennengelernt. Josephine, die Heimleiterin des MiRO Heimes, hat uns von Samuels Schicksal erzählt. Samuel lebt mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester in einem winzigen 2-Zimmerhaus in Mombasa. Samuel ist gelähmt. Er leidet an einer spastischen Zerebralparese - diese führt bei ihm zu einer spastischen Lähmung der Arme und Beine. Er kann nicht  laufen, nicht stehen und nicht sitzen.  Samuel muss gefüttert und gewickelt werden. 

Sein Leben fand in letzter Zeit hauptsächlich in einem kleinen dunklen Zimmer statt - denn für seine Mama ist Samuel langsam zu schwer, sie kann ihn kaum noch in einem Tuch auf dem Rücken herumtragen.

Ein Rollstuhl - das war der große Traum der Familie, jedoch für sie unbezahlbar.

Dieser Traum wurde nun Wahrheit. Natalie Häderer von Firma Häussler in Ulm hat uns geholfen. Eigentlich bräuchte Samuel aufgrund der Schwere seiner Behinderung eine Spezialanfertigung, die knapp 4000 Euro kostet und für die wir momentan noch keinen Sponsor gefunden haben. Die Firma Sorg Rollstuhltechnik hat jedoch spontan zwei Kinderrollstühle gespendet. Dr. Stefan Blaser und ich konnten die Rollstühle mit Unterstützung von Ethiopian Airways heil nach Mombasa bringen. Einen davon haben wir Samuels Familie gebracht. Samuel kann nun mehr am Leben teilhaben - er hat laut gelacht bei seiner ersten Fahrt. Die Familie, die sich so voller Liebe um ihren behinderten Sohn kümmert, war zu Tränen gerührt.

Der andere Rollstuhl ist eine große Hilfe im MiRO-Kinderheim - wenn eines der Kinder krank ist und in die Klinik gebracht werden muss.

 

Wir danken für die großartige Unterstützung!

Viele Grüße Vera

 

P.S.: Wir suchen weiterhin einen Spender, der die Spezialanfertigung für Samuels Rollstuhl - mit Nackenstütze, Outdoorrädern etc. finanzieren möchte....

Ich da - Brukenge, Hühner, Zähne weg (April 2012)

Spontanbesuch. Raus aus dem schmuddeligen Aprilwetter Marburgs hinein in 33 Grad schwüle Afrikahitze. Keiner weiß, dass ich hier bin. Ich klopfe an die schwere Eisentür. “Mzungu (ein Weißer)”, sagt eine Kinderstimme. Meine blassen Füße, die von innen zu sehen sind, verraten mich. Ich strecke meinen Kopf über das Tor und entdecke die Kinder. “Laaaaadiiiiine, Laaaaadiiiiine!!!” Rebecca, die konsequent mein N mit einem L ersetzt, ist die Erste, die mich erkennt. Sofort stürmen alle anderen Kinder aus dem Haus, reißen gemeinsam das Tor auf und fallen mir um die Beine. 

 

Es hat sich nicht viel verändert seit meinem letzten Besuch vor sechs Monaten. Die Bananenstauden tragen Früchte, die von Vera und den Kindern gepflanzten Blumen blühen mannshoch und das Schuhregal, das ich dank der finanziellen Unterstützung des Frauenkreises der Kirchengemeinde Halsdorf hab bauen lassen, bietet den dutzenden Schuhen Platz und Ordnung.

 

 

Doch dann die erste tolle Überraschung: Blessing zieht sich an einem Stühlchen hoch. Für mich persönlich eine kleine Sensation, denn das Mädchen ist fast zweieinhalb Jahre alt und wir hatten schon die Befürchtung, dass sie nie imstande sein würde zu laufen.

Doch die Physiotherapie hat offensichtlich geholfen. Nun tapst Blessing endlich an der Hand ihrer älteren Geschwister umher. Langsam. Schrittchen für Schrittchen.

 

Die anderen Kinder toben, klären mich über die Neuigkeiten auf. “Brukenge ist weg - die Hühner aber auch”, berichtet Samuel. Bei meinem letzten Besuch machten wir noch Jagd auf diese Mischung aus Echse und Kaiman - vergebens. Brukenge war da bei seiner Hühnerjagd erfolgreicher. 
“Nadine, schau mal, Isaac hat keine Zähne mehr”, ruft Sarah und zeigt auf die riesige Zahnlücke des Sechsjährigen, der sich verschämt wegdreht. “Na, das weiß ich doch, die sind mit dem Flugzeug nach Deutschland geflogen”, erkläre ich augenzwinkernd. Die Kinder schauen ungläubig, Isaac lacht sich schlapp. 

Natürlich bin ich nicht mit leeren Händen gekommen. Mein Koffer beherbergte neben drei kurzen Hosen und fünf T-Shirts für mich, noch 23 Kilo in Form von Kinderkleidung, zwei Schaukeln, einem Laufrad und diversen Geschenken der Paten aus Deutschland. Jeder bekommt eines. Jeder strahlt. Ich inklusive.

Geburtstagsfest für MIRO 19.11.2011

Happy Birthday Mighty Redeemer Orphanage! Am Samstag den 19. November 2011 feierten über 100 Gäste gemeinsam mit den Kindern den MiRO- Geburtstag. Da man bei den meisten Kindern nicht weiß, wann sie geboren sind, feiert das MiRO einmal im Jahr gemeinschaftlich Geburtstag. Die Ananda-Marga Schule stellte das Schulgebäude, die Aula und sogar eine Musikanlage zur Verfügung. Die Kirchengemeinde, der Bürgermeister (Chief) von Kiembeni, Freunde und natürlich viele Kinder kamen. Es wurde gesungen, gebetet, getanzt. Die MiRO-Kinder waren sehr aufgeregt, vor allem auch, da alle auf die Bühne durften und sich mit Mikrophon vorstellen durften. Das Essen wurde von 5 Helfern im Freien auf Feuerstellen gekocht und an alle Gäste verteilt.

Als Höhepunkt gab es den Geburtstagskuchen, der feierlich angeschnitten wurde.

Die Geschenke und Geburtstagskarten ihrer Paten in Deutschland, die wir extra für die Feier mitgebracht hatten, erhielt jedes der Kinder am Abend nach der Feier zu Hause im Kinderheim – schließlich sollen die anderen Gäste nicht neidisch werden.

Die MiRO-Kinder gemeinsam mit ihren Gästen aus ganz Mombasa hatten einen unvergesslichen Tag.

 

Sonnige Grüsse

Vera Fleig

Ein Tag am Meer

Junior hat sichtlich Spass.
Junior hat sichtlich Spass.

Sie leben nur wenige Minuten vom Meer entfernt, aber den Ozean haben sie noch nie gesehen. So zumindest war es bei unserem letzten Besuch im MiRO-Heim. Im November nahmen wir die Kinder zum ersten Mal mit ans Meer. So viel Wasser auf einmal - da hatten einige der Kinder verstaendlicherweise riesige Angst, auch nur einen Fuss ins Nass zu setzen. Doch diesmal war alles ganz anders: Es war kein Halten mehr: Lauthals jubelnd rannten die Kleinen gen Indischer Ozean - und diesmal waren auch die Aengstlichen nicht mehr zu bremsen. Schwimmen, Planschen, Rennen, Fussballspielen und im Sand buddeln - noch vor einem Jahr waere dies fuer die Kinder ein undenkbarer Luxus gewesen. Ergo: Es war fuer alle ein sehr, sehr schoener Tag > wie man auf den Bildern sehen kann.

Karibu Kenya! Willkommen zurueck! Maerz 2011

Seit einigen Tagen sind wir wieder zurueck in Kenia. Voellig unangemeldet haben wir dem Heim einen Ueberraschungsbesuch erstattet. Die Wiedersehensfreude mit den Kindern des MiRO-Waisenhauses war riesig! Es geht allen super. Wir sind sehr gluecklich, dass es hier so reibungslos laeuft und sich die Kinder so gut entwickeln. Hier ein paar erste Eindruecke :o)

Vielen Dank an alle, die uns so vielfaeltig unterstuetzen und so den Kindern des MiRO eine bessere Zukunft geben.

Sa

19

Dez

2020

Frohe Weihnachten und ein besseres neues Jahr

Liebe Freunde des MiRo-Heims,

Die Kleinsten des MiRO haben im März Masken geschenkt bekommen, die sie aber nur kurz fürs Foto aufgezogen haben ;)
Die Kleinsten des MiRO haben im März Masken geschenkt bekommen, die sie aber nur kurz fürs Foto aufgezogen haben ;)

 Ein hartes Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Die Corona-Pandemie hat die Welt aus den Angeln gehoben. Auch unsere.

    Zum ersten Mal in zehn Jahren konnten weder Dr. Vera Fleig und Dr. Stefan Blaser, noch ich zu unserem Kinderhilfsprojekt fliegen und uns vor Ort davon überzeugen, wie es den Kindern geht.

 

Obwohl uns das unheimlich traurig gemacht hat, waren wir doch froh, über Telefon, Skype  oder WhatsApp Kontakt zu halten. Regelmäßig haben wir mit Heimleiterin Josephine und den Kindern schreiben oder sprechen können und waren so immer auf dem Laufenden.

 

Nadine sieht Josephine und die Kinder - und umgekehrt. Dank Facetime halten wir mit Josephine und den Kindern Kontakt.
Nadine sieht Josephine und die Kinder - und umgekehrt. Dank Facetime halten wir mit Josephine und den Kindern Kontakt.

 Die Corona-Pandemie hat Kenia hart getroffen. "Das Virus hat uns große Angst gemacht", sagt Heimleiterin Josephine. 

 Bereits im März ist das Land in einen strengen Lockdown gegangen. Die Schulen haben geschlossen und auch die MiRO-Kinder mussten von nun an von Zuhause lernen. Dafür musste aber erst einmal Equipment angeschafft werden.

Deshalb hat unser Verein Radios und Laptops gekauft. Die kleineren Kinder wurden von den Lehrern über spezielle Rundfunkprogramme Mithilfe des Radios unterrichtet. Die Älteren konnten Dank der Laptops am digitalen Unterricht ihrer Schule teilnehmen.

 

Die ältesten Jungen sitzen vor "Ihrem" Haus.
Die ältesten Jungen sitzen vor "Ihrem" Haus.

 Doch es gab ein weiteres Problem: auch die ältesten Kinder, die normalerweise auf weiterführenden Schulen in Internaten im Norden des Landes leben, wurden ins Heim zurückgeschickt. Und somit wurde der Platz mit 45 Kindern im Alter von 2 bis 18 Jahren viel zu knapp.

    Eltern, die ein paar Wochen im Homeoffice mit ihren Kindern waren, können sich vielleicht annähernd vorstellen, welche Spannungen entstehen, wenn 45 Kinder monatelang auf kleinstem Raum zuhause hocken müssen. Also haben wir in Absprache mit dem Jugendamt ein weiteres kleines Haus in der Nähe angemietet und die älteren Jungs ausquartiert. Dank zahlreicher Spenden war es uns möglich, die Miete zu bezahlen, Betten zu kaufen, Kühlschrank, Herd und andere lebenswichtige Einrichtungsgegenstände. Die sieben Jungs, die nun mit einem Hausvater zusammen in den kleinen Haus leben, sind nun zufrieden. Sie lernen kochen, kümmern sich selbst um den Haushalt und lernen so auf eigenen Beinen zu stehen.

Unter der Anleitung von Koch Felix lernen die Kinder, wie man Mais anbaut.
Unter der Anleitung von Koch Felix lernen die Kinder, wie man Mais anbaut.

 Dazu gehört auch Nahrungsmittel anzubauen. Im März wurde Kenia von einer Heuschreckenplage heimgesucht. Während der Corona-Pandemie sind die Lebensmittel-Preise zusätzlich extrem gestiegen. Um sich selbst zu versorgen, hat Josephine mit dem ältesten Jungs und ältesten Mädchen ein Landwirtschaftsprojekt aufgebaut. Auf einem nahegelegenen Acker bauen die MiRO-Kinder Mais, Spinat, Grünkohl, Kartoffeln an.

 

Das hilft nicht nur, sich selbst zu ernähren. Die Kinder lernen so auch, wie man Lebensmittel produziert und wie überlebenswichtig diese Fähigkeit in einer Krise ist. "Wir genießen die Zeit draußen und auch die körperliche Arbeit tut gut, wenn man ansonsten im Lockdown nicht viel tun kann", berichtet Bob, einer der ältesten Jungs am Telefon. 

 

Am neu ausgehobenen Brunnen holen die angehenden Jungbauern Wasser für die Maispflanzen.
Am neu ausgehobenen Brunnen holen die angehenden Jungbauern Wasser für die Maispflanzen.

 Zudem hat sich auch die Möglichkeit ergeben, dass sich die Jungen mit Farmarbeit ein kleines Taschengeld verdienen können. Sie ziehen Baumsetzlinge heran und verkaufen diese auf dem Markt. 

 Aufgrund der Hitze und Trockenheit war es unbedingt notwendig, für die Bewässerung der Pflanzen einen Brunnen zu bauen. Wir freuen uns sehr, dass Dank großzügiger Spender der Brunnen im Sommer gebaut werden konnte. 

 

Doch nicht nur diese Spende hat auch in diesem schwierigen Jahr das Leben der MiRO-Kinder erleichtert. Nur dank Euch, liebe Freunde, ist es möglich, weiterhin die Miete, die Hausmütter, den Koch, die Verpflegung und die medizinische Versorgung zu gewährleisten.
Das Röntgenbild macht es sichtbar: der Oberschenkel ist durch.
Das Röntgenbild macht es sichtbar: der Oberschenkel ist durch.

 Wie lebenswichtig ein finanzieller Puffer für medizinische Notfälle ist, haben wir im November gemerkt. Einer der älteren Jungs hatte einen schweren Unfall. Beim Klettern stürzte er von einer Mauer. Er brach sich den Oberschenkel und zog sich Kopf-und Gesichtsverletzungen zu. Ein Schock. Vor allem weil die Situation in den Krankenhäusern aufgrund der Corona-Pandemie noch katastrophaler war als ohnehin schon. Das erste Krankenhaus, in dem er notversorgt wurde, war für solch einen Eingriff nicht vorbereitet und eine Verlegung in ein Privatkrankenhaus war notwendig. Help for MiRO hat die Kosten für die Verlegung, die notwendige Operation und Nachbehandlung übernommen "Es waren die schlimmsten Stunden meines Lebens, den Jungen so leiden sehen zu müssen", erinnert sich Josephine. In einer Operation wurde sein Bein gerettet.

 

Erst im zweiten Krankenhaus konnte sein Oberschenkelbruch operiert werden.
Erst im zweiten Krankenhaus konnte sein Oberschenkelbruch operiert werden.

 "Den Röntgenbildern nach zu urteilen, ist die Operation gut verlaufen", sagt Ärztin Dr. Vera Fleig mit Hinblick auf die Röntgenbildern, die uns Josephine über WhatsApp weiterleitet.  Leider musste er bereits kurz nach der Operation das Krankenhaus verlassen, da Corona ausgebrochen war. Josephine organisierte, dass regelmäßig ein Arzt zuhause nach ihm sieht und die ersten Tage sich eine Krankenschwestern um ihn kümmert.

 

Nur ein kleines Geburtstagsfest für die MiRO-Kinder. Aufgrund von Corona ohne Gäste, aber mit lecker Essen.
Nur ein kleines Geburtstagsfest für die MiRO-Kinder. Aufgrund von Corona ohne Gäste, aber mit lecker Essen.

 Zum Geburtstag Ende November, dem 11.des Miro-Heims, konnte der 16-Jährige schon ein paar Schritte auf Krücken laufen. Weil nicht klar ist, wann die Kinder geboren wurden, wird im November eine große Geburtstagsfeier für alle veranstaltet. Eigentlich. Aufgrund der Corona - Pandemie gab es in diesem Jahr keine riesige Party mit Gästen. Stattdessen feierten die Kinder mit ihren Betreuern in kleiner Runde. Es gab einen Kuchen und Süßigkeiten - und viele glückliche Gesichter auf den Fotos, die wir geschickt bekamen. Wir hoffen sehr, dass wir im nächsten Jahr wieder live vor Ort dabei sein können.

 

Zuversichtlich ins neue Jahr: Mama Josephine mit einigen der Mädchen.
Zuversichtlich ins neue Jahr: Mama Josephine mit einigen der Mädchen.

Bis es aber soweit ist, beten wir dafür, dass alle gesund bleiben und die Corona-Pandemie bald ein Ende nimmt. Wir sind allen, die den Kindern des Miro-Heims ein besseres Leben in dieser schweren Zeit ermöglichen, von ganzem Herzen dankbar. Wir hoffen, dass die Kinder sich zu Weihnachten über das vom Verein geschickte 25kg Paket aus Deutschland freuen werden und die Kinder so wissen, dass wir in Gedanken bei ihnen sind.

 

Im Namen des Miro-Teams wünschen wir eine frohe Weihnacht und Gesundheit, Glück und Freude im neuen Jahr. 

 

Bleiben Sie, bleibt Ihr, bitte gesund und zuversichtlich.
Euer Help-for-MiRo-Team

 

       Nadine, Vera und die anderen

 

Help for MiRO e.V.

Spendenkonto:

 

Help for MiRO e.V.

Sparkasse Marburg -Biedenkopf

BLZ: 533 500 00

Kontonummer: 100072

IBAN: 

DE275335000000001000 72

 

BIC: HELADEF1MAR

 

MiRO is the short term for Mighty Redeemer Orphanage. The Mighty Redeemer Orphanage is a small children's home in a suburb of Mombasa, Kenya.

 Recently 38 children are living there. The youngest child was born in November 2014, the oldest two children were born in 2000.

The children had to suffer a lot in there young lives. Some of them have lost there parents because of AIDS. Some of them have been thrown onto dumpsites or left alone on the streets of Mombasa.

 

They have been misused and mistreaten. They have starved and suffered. In 2009 Josephine Mutisya decided to help these children in giving them what they need the most: the love and care of a family.

We are supporting this project since 2010.